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13.12.2009 kommunalpolitische Themen • Flughafen Tegel

Aufforstung von TXL mit Waldaktien finanzieren

Ideen der LINKEN im Spiegel von Berliner Morgenpost und Tagesspiegel


13.12.2009 Berliner Morgenpost

Zehn Euro für den Klimaschutz

Linken-Idee für Tegel: Fluggäste sollen zahlen

Von Katrin Schoelkopf

Mit der Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens Willy Brandt in Schönefeld Ende Oktober 2011 schließt der innerstädtische Flughafen Tegel. Im Zuge der Nachnutzungsdiskussion des 460 Hektar großen Areals im Norden Berlins wartet die Linke jetzt mit einer vor allem in Zeiten des Klimawandels interessanten Idee auf. Mit im Boot ist Berlins Umweltsenatorin, Katrin Lompscher, die als Landesvize der Linken die Idee einer „Waldaktie“ als Zukunftsprojekt ins Rollen bringen will.

So soll ein Großteil der Flughafenflächen mithilfe dieser „Waldaktie“ aufgeforstet werden. Vorgesehen ist, dass die Aktie vor allem an Touristen verkauft wird, die damit nicht nur zur Begrünung des dann stillgelegten Flughafens beitragen, sondern mit dem Kauf der Aktie ihren Urlaub CO2-neutral gestalten. Ein Weg, der bereits seit diesem Jahr in Mecklenburg-Vorpommern beschritten wird. Im Herbst begründeten dort Tourismusfachleute und Studenten gemeinsam mit der American Tourism Society einen internationalen Klimawald. In der Gemeinde Velgast bei Stralsund und dort im Ortsteil Schuenhagen können Touristen bereits symbolisch für den Preis von zehn Euro ein Stück Wald erwerben.

Auch in Berlin soll die Aktie nach Vorstellungen der Linken zehn Euro kosten. Die Aufforstung großer Teile der Flughafenflächen sieht die Linke im Zusammenhang mit dem Senatskonzept für Tegel. Dieses sieht den Standort im Kern und auf einer Fläche von 220 Hektar als gewerblich-industriellen Zukunftspark für Umwelttechnologie. Erst in der vergangenen Woche hatte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung diese Nutzung vorgestellt und darauf hingewiesen, dass dieser innovative Industriepark durchaus mit Naturschutz und Grün in Einklang zu bringen sei. „In Mecklenburg-Vorpommern hat sich die Waldaktie bereits bewährt“, sagt Felix Lederle. „Warum sollte es nicht auch in Berlin klappen?“ Lederle ist wie Lompscher im Landesvorstand der Linken. Gemeinsam mit der Senatsfraktion habe der Landesvorstand die Idee entwickelt.

Bei der Berlin Tourismus Marketing GmbH (BTM) trifft die Waldaktien-Idee bereits auf offene Ohren. „Ich begrüße das außerordentlich“, sagte BTM-Chef Burkhard Kieker. Berlin werde weltweit als grüne Stadt wahrgenommen. „Wir bieten zum Beispiel als einzige Stadt weltweit Kongressveranstaltern Green Meetings. Im Angebot sind dabei zertifizierte Hotels, die ökologisch wirtschaften und am öffentlichen Verkehrsnetz liegen.“ Die Waldaktie passe als ergänzende Idee wunderbar dazu.



14.12.2009 Der Tagesspiegel

10 Euro für Aufforstung

Das Gelände des Flughafens Tegel soll nach seiner Schließung auch zu einem neuen Forst werden. Umweltsenatorin Lompscher schlägt vor, dass Fluggäste für die Bepflanzung eine freiwillige Abgabe zahlen sollen.

Das Gelände des Flughafens Tegel soll nach seiner Schließung auch zu einem neuen Forst Tegel werden. Umweltsenatorin Katrin Lompscher (Linke) hat angeregt, Terminal und Umgebung für Zukunftsprojekte und „Green Economy“ zu nutzen – und mit einer sogenannten Waldaktie schon bald die Aufforstung des Geländes zu unterstützen. Die soll nach dem Vorbild der Ausgleichszahlungen für den C02-Ausstoß erhoben werden, die Flugpassagiere etwa an die Klimaschutzorganisation „atmosfair“ leisten können. Bei der Tegeler „Waldaktie“ könnten Touristen und Berliner 10 Euro oder mehr pro Flugreise für die Renaturierung zahlen „und sich den neuen Naturraum auf diese Weise auch persönlich aneignen“, findet Lompscher.

Die Idee einer freiwilligen „Waldaktie“ präsentierte sie gemeinsam mit dem Reinickendorfer Linken-Landesvorstandsmitglied Felix Lederle. Wenn Tegel mit der Inbetriebnahme von BBI Schönefeld in zwei Jahren schließt, soll nach Vorstellung der Linken rund die Hälfte der 480 Hektar großen Fläche als Grünfläche genutzt werden: Um die Jungfernheide und den Flughafensee seien neue Bepflanzungen denkbar. Das sei angesichts der zu erwartenden Klimaerwärmung wichtig, da Pflanzen C02 binden und Sauerstoff produzieren. Eine begrünte Freifläche wirke wie ein Kühlschrank für die Großstadt, bestätigte jetzt die Klimawandelstudie des Deutschen Wetterdienstes für den Senat.

Kiefern, Eichen oder auch Kastanien – all diese Bäume könnten Berliner und ihre Besucher anschaffen helfen oder sogar selbst anpflanzen. Dass das funktioniert, zeigen ähnliche Klimaschutz-Projekte in Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg. So wurden an der Mecklenburgischen Seenplatte und nahe der Ostsee bereits ein halbes Dutzend neue Forsten dank „Waldaktien“ angelegt.

„Eigentlich sind das ja Spenden, denn es gibt ja keine Rendite. Die Aktie kann man sich aber übers Internet ausdrucken“, sagt Uwe Delies, Revierförster und zuständig für den neuen Klimawald Golchen bei Neubrandenburg. Dort wurde wenig ertragreicher, ehemaliger Ackerboden mit strapazierfähigen Eichen bepflanzt. Den „ersten internationalen Klimawald“ in Schuenhagen begründete die American Tourism Society in Kooperation mit dem Tourismusverband und dem Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommerns sowie Ameropa-Reisen: Für eine 10-Euro- Aktie werden dort auf einer Fläche von zehn Quadratmetern Bäume gepflegt, die die im Urlaub von einer vierköpfigen Familie verursachten Kohlendioxid-Emissionen ausgleichen. Firmen kaufen dort ganze „Waldaktien“-Pakete. In Hamburg haben Flugreisende über Ausgleichszahlungen schon Solarprojekte in Schulen und Sportvereinen ermöglicht.

„Das ist eine Idee, die sehr gut zu Berlin passt: Umweltthemen hat die Stadt gut besetzt, und Touristen schätzen an Berlin das Grün“, ist Christian Tänzler von der Berlin Tourismus Marketing von einem Erfolg der „Waldaktie“ auch in Berlin überzeugt. „Man sollte aber auf jeden Fall auf Freiwilligkeit setzen“, meint Ralf Kunkel, Sprecher der Berliner Flughäfen. Nach Ansicht von Lothar Kögel, einem der führenden Berliner Veranstalter von Studien- und Erlebnisreisen, könnten lokale Naturschutz-Aktivititäten sogar noch größeren Anklang finden als Aktionen zur Eindämmung der Klimaveränderungen etwa im indonesischen Regenwald oder in afrikanischen Dürreregionen: „Weil die Leute bei Naturschutzprojekten vor der eigenen Haustür direkt mitverfolgen können, was aus ihrer Spende wird.“

kög