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Unsere Katrin, frisch und gesund,
die schloss leider nie den Mund.
Ganz „ideologiefrei“ tat sie stets kund:
„Nein, Schule für alle will ich nicht,
denn das ist doch die linke Sicht.
Nein, diese Suppe ess ich nicht!

Frei nach Heinrich Hoffmann

11.02.2011 kommunalpolitische Themen • Schulen

CDU Reinickendorf verhindert Gemeinschaftsschule

Mit ideologischen Scheuklappen in den Gräben des kalten Krieges

Die Reinickendorfer Bezirksverordnetenversammlung (BVV) beschloss jetzt mit ihrer CDU-Mehrheit, Gemeinschaftsschulen in Reinickendorf zu verhindern. Dazu erklärt der bildungspolitische Sprecher Steffen Zillich:

Die Tatsachen im Bezirk sind andere als die CDU sie per Beschluss herstellen will: Beide Schulen, die Hannah-Höch-Grundschule und die Greenwich-Sekundarschule, wollen zur Gemeinschaftsschule fusionieren. Die schulischen Gremien haben so beschlossen, Lehrer/innen, Eltern und Schüler/innen beider Schulen wollen dies. Auch Bezirkselternausschuss sowie Bezirksschulausschuss unterstützen die Gründung der Gemeinschaftsschule im Märkischen Viertel.

Der Schulausschuss der BVV und selbst die BVV haben im Januar 2011 bereits für die Fusion beider Schulen zur Gemeinschaftsschule gestimmt. Die CDU musste nun mit ihrer Mehrheit diesen Beschluss erst wieder aufheben, um die Gemeinschaftsschule doch noch zu verhindern.

Reinickendorf wäre so der einzige Bezirk ohne Gemeinschaftsschule. Mit ideologischen Scheuklappen verharrt die kleingeistige Bezirks-CDU in den Gräben des kalten Krieges. Sie stellt sich gegen die beteiligten Eltern, Lehrer/innen und Schüler/innen, verhindert demokratische Entscheidungsprozesse und vermag nicht zu sehen, dass die Schulen in ihrer Entwicklung der CDU längst davon geeilt sind.

Nun ist die Landes-CDU in der Verantwortung, Position zu beziehen. Trägt sie den Blockadekurs der Reinickendorfer CDU mit, verabschiedet sie sich damit auch aus den bildungspolitischen Debatten in der Stadt.

09.02.2011

Forderungen für eine Gemeinschaftsschule

Fotos: Klaus Gloede

Vor der Sitzung der BVV am 9. Februar demonstrierten Lehrer, Schüler und Eltern der Hannah-Höch-Grundschule und der Greenwich-Sekundarschule vorm Rathaus Reinickendorf gegen die Blockadehaltung der CDU, welche die Gründung einer Gemeinschaftsschule im Märkischen Vietel verhindern will.

 

10.02.2011 von Sebastian Schlüsselburg

Kalter Schulkrieg in Reinickendorf

Derzeit wird in Reinickendorf ein Stück aufgeführt, dass man längst schon in der Mottenkiste der Geschichte wähnte: Der Kalte Schulkrieg, Gassenhauer der BRD in den 1970er Jahren des vergangenen Jahtausends, erstrahlt wieder in vollem Glanz. Hauptdarstellerin, Regiesseurin und einziger zahlender Zuschauer ist die örtliche CDU.

Deren Bildungsstadträtin sieht sich in der Rolle der Jeanne D’Arc – die letzte aufrechte Kämpferin für das Schulsystem aus Kaiserzeiten. Sie weigert sich die Hannah-Höch-Grundschule und die Greenwich-Sekundarschule zu einer Gemeinschaftsschule zu fusionieren, an der die Kinder von der ersten Klasse bis zum Abitur gemeinsam lernen können. In Berlin gibt es mittlerweile 20 Gemeinschaftsschulen die immer erfolgreicher an der individuellen und dennoch gemeinsamen Bildung der Schüler/innen arbeiten. Die meisten sind übernachgefragt und erfreuen sich großer Unterstützung aus der Elternschaft. So auch die beiden Schulen in Reinickendorf: Lehrer, Eltern und Schüler wollen Gemeinschaftsschule werden und haben dafür die nötigen Entscheidungen in den Gremien getroffen – mit überwältigenden Mehrheiten. Der Senat befürwortet das pädagogische Konzept und auch die Bezirksverordnetenversammlung hat sich dafür ausgesprochen.

Dieser Beschluss passte der CDU nicht ins Drehbuch. Der Beschluss sei ja nur zu Stande gekommen, weil zwei CDU-Verordnete fehlten. Kurzerhand ließ man gestern erneut abstimmen, kippte den Beschluss und schlug damit den beiden Schulen die Tür vor der Nase zu.

Die Reinickendorfer CDU leistet damit einen bildungspolitischen Offenbarungseid. Aber was kann man schon erwarten von einer Stadträtin, deren bildungspolitische Kompetenz sich darin erschöpft nach mehr Geld, mehr Lehrern und mehr Selektion zu krakelen. Es ist Vorwahlkampf und da muss man wohl auf die Pauke hauen. Dass die CDU vielerorts in der Republik längst weiter ist als ihre West-Berliner Schwester mit Frontstadtmentalität kann man z.B. in NRW beobachten. Im Münsterland kämpfen viele CDU-Bürgermeister seit Jahren für Gemeinschaftsschulen.

Der Vorhang dieses aufgewärmten Stückes fällt dann spätestens am 18. September. Ob die CDU bis dahin merkt, dass sie allein im Theater sitzt? Berlin ist längst weiter.