Die Einwohnerfragestunde der Dezember-BVV verwandelte sich faktisch in eine Anhörung zum Projekt der Gemeinschaftsschule.
Der Tegeler Student Yusuf Dogan fragte das Bezirksamt und die Fraktionen, wie sie die Überlegungen des in Reinickendorf durch seine 14-jährige Tätigkeit an der Paul-Löbe-Schule außerordentlich geschätzten Helmut Hochschild bewerten, der seine Erfahrungen als Interimsdirektor der Rütli-Schule jüngst wie folgt im „Spiegel“ zusammenfasste:
„Eine Berliner Hauptschule kann nicht gesund werden. Denn das System ist krank... durch die in Deutschland sehr belastete Vokabel der Selektion... Der Pisa-Test hat ganz klar gezeigt: es gibt ein anderes, alternatives Modell. Länder, die integrierende Schulsysteme haben, bringen bessere Schüler hervor.“
In ihrer Antwort verwies Bezirksstadträtin Schultze-Berndt (CDU) ausweichend auf die begrenzten Möglichkeiten des Bezirksamtes, auf die Entwicklung innerhalb der Schulen des Bezirkes Einfluss zu nehmen.
Auf Nachfrage, ob ihre Ausführungen so interpretieren werden könnten, dass das Bezirksamt im Sinne der Erfahrungen von Helmut Hochschild Bemühungen an Reinickendorfer Schulen von Lehrern, Eltern und Schülern ermuntern und unterstützen werde, Wege zu einer integrativen Schule zu erproben und dafür die Möglichkeiten zu nutzen, die der Senat für das Projekt Gemeinschaftsschule anbietet, erklärte die Schulstadträtin, das Bezirksamt nehme alle Erfahrungen auf und sei in jeder Hinsicht bemüht, die Schulen im Bezirk auf ihrem erfolgreichen Weg zu begleiten.
Die Stellungnahmen der Parteien bewegten sich in bekanntem Rahmen. Die SPD setzte sich – wie in der Koalitionsvereinbarung angekündigt - für ein gemeinsames Lernen der Kinder bis zur 10. Klasse als Pilotprojekt, verbunden mit breiter gesellschaftlicher Debatte mit den Eltern, ein. CDU, FDP und B 90/Grüne dagegen ignorierten die Aussagen von Helmut Hochschild und verweigerten einen Vergleich mit den Erfahrungen der skandinavischen Länder. Die Fraktion der Grauen informierte, dass sie die Frage an Bildungssenator Prof. Zöllner weitergereicht hätte.
Als Zumutung wird im Bezirksvorstand der Linkspartei.PDS Reinickendorf die Tatsache gewertet, dass die Einwohner aus formalen Gründen zweieinhalb Stunden warten mussten, bis sie ihre Fragen in der BVV stellen konnten.