Die geplante Bebauung des Tegeler Hafens stößt auf Neugier, harsche Kritik und Widerstand bei Anwohnern und Jugendlichen. Der stellvertretende Bezirksvorsitzende der Linkspartei.PDS Reinickendorf, Dr. Klaus Gloede, kritisiert das Vorgehen der Bezirksverwaltung
Der Bebauungsplanentwurf XX-288 für die Grundstücke Karolinenstraße 18, 19 und 21, die Tegeler Insel sowie für das Flachwasserbecken und Teilflächen des Tegeler Hafens soll geändert, den Bedingungen des neuen, englischen Investors angepasst werden. Das Bezirksamt beschließt den Entwurf am 14.11.2006, legt ihn der BVV am 27.11.2006 zur Kenntnisnahme vor, was diese am 13.12.2006 gemäß Konsensliste auch macht. Gleichzeitig wird der Entwurf an den Ausschuss für Bauwesen und Stadtplanung überwiesen.
Der Eindruck täuscht nicht: Alle Parteien scheinen froh, dass sich auf der Insel endlich etwas tut. Gemäkelt wird über Details. Gestritten wird über die Informationspolitik des früheren zuständigen CDU-Stadtrates, die sein Nachfolger (auch CDU) natürlich völlig für in Ordnung hält. Gestritten wird nicht über die Sache selbst: Wieder soll Grün dem Beton weichen, zieht jemand - wie so oft in diesen Zeiten - aus ursprünglichem Landeseigentum seinen privaten Nutzen, sprich: Profit.
Und die Bürger? Natürlich gibt es die gesetzlich vorgeschriebene frühzeitige Bürgerbeteiligung. Erst als die Auslegungsfrist vorbei ist, rühren sich die Anwohner. Von den Bürgern gefordert, stellt sich das Bezirksamt nach drei Monaten endlich den Betroffenen. Mehr als 200 Tegeler Bürger kommen am 3. Februar 2007 in die Humboldt-Bibliothek, fragen, erhalten Auskunft.
Yusuf Dogan, Tegeler Bürger, seit einer Woche auch Bezirksvorsitzender der Linkspartei.PDS fragt auch nach: Ob bei der Planung jemand an die Kinder gedacht habe, die dort skaten und jeden Winter rodeln? Oder an die Jugendlichen, für die die Wiese ein beliebter Treffpunkt und die Insel ein geeigneter Platz für Rockkonzerte ihrer Schülerbands gewesen ist? Für sie geht ein weiterer Freiraum verloren. Wo sollen sie künftig hin?
Direkt angesprochen und auch von Bürgern dazu aufgefordert, antwortet Stadtrat Balzer verärgert: Wenn er zwischen randalierenden Jugendlichen, die dort alles mit Graffiti vollschmieren und alles vermüllen, oder dem Bebauungsprojekt entscheiden müsste, dann wäre ihm das Geld lieber.
Die Sprache verrät manchmal mehr über die Gedankenwelt des Autors als ihm lieb ist.
Interessantes Detail am Rande: Der Architekt bestätigt, man hätte die Interessen der Kinder und Jugendlichen durchaus berücksichtigen können, wenn das Bezirksamt entsprechende Auflagen erteilt hätte? Aber dafür wäre wohl kein Geld da.
Noch einmal der Stadtrat: Das Ordnungsamt habe bei den Rockkonzerten auf der Insel wiederholt einschreiten müssen. Als Mitorganisator von vier der sechs bisherigen Rockkonzerte seit 2001 verwahre ich mich gegen diese Beschuldigung. Hunderte Besucher des „Inselrocks“ wissen es besser: Es gab keinen Grund für ein Einschreiten des Ordnungsamtes, und es gab auch kein Einschreiten.
Ob ich will oder nicht: Ein Gedanke kommt mir nicht aus dem Sinn:
Der jüngste Bericht des Internationalen Wissenschaftsrates zum Klimawandel (IPCC) ist an Dramatik für Mensch und Umwelt kaum zu überbieten. Wenn die offizielle Politik, unter ihnen Politiker wie Stadtrat Balzer so weiter machen, liegt Tegel eines Tages wirklich am Rande der Sahara.
Dr. Klaus Gloede
Stellvertretender Bezirksvorsitzender