Es läuft nicht so gut. Felix Lederle erntet an diesem Nachmittag viel abweisendes Kopfschütteln, sobald er seine Linkspartei-Broschüren den Passanten entgegenstreckt. Zwei rote Sonnenschirme und einen weißen Aufsteller haben der 34-jährige Direktkandidat und seine vier Mitstreiter vorm Clou, Reinickendorfs Shoppingcenter am "Kutschi", aufgebaut. Aber das Interesse ist mager. "Geht doch zurück in den Osten, wenn ihr die DDR wieder wollt", tattert eine mit Einkauftüten bepackte Endsechzigerin. "Alte Kommunisten. Eher hacke ich mir die Hand ab, als die zu wählen."
Es sei schon schwierig, sagt Lederle - schwarzer Anzug, pinkes Hemd, in den Nacken gekämmte Haare - über seinen Wahlkampf. Das mit der DDR-Partei bekomme er im Wahlkreis regelmäßig zu hören. Und dass die Linke linksextrem, wirtschafts- und kirchenfeindlich sei. "Alles kompletter Unsinn", sagt Lederle. Natürlich sei die DDR undemokratisch gewesen. Die Linke aber sei eine junge Bürgerrechtspartei, Wirtschaftssenator Harald Wolf ein erstklassiger Ökonom und er selbst gläubiger Protestant und gebürtiger Baden-Württemberger. "Zählt man das den Leuten auf, werden sie doch stutzig und legen die Scheuklappen ab." Inzwischen, so Lederle, sei das Feedback in Reinickendorf gar nicht mehr so schlecht.
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Am Wahlstand von Felix Lederle macht eine Jugendliche mit Kopftuch Halt. Der Kandidat verwickelt sie in ein langes Gespräch, drückt ihr packenweise Flyer in die Hand. Neulich sei er am Georg-Schlesinger-Oberstufenzentrum im Bezirk gewesen, erzählt Lederle. Bei einer Probeabstimmung habe die Linke von den Schülern 22 Prozent erhalten, mehr als alle anderen. "Ich glaube, die Linke wird ihre Chance hier noch bekommen."