Diese Website verwendet Cookies.
Zum Hauptinhalt springen

Ehrungen zum internationalen Holocaust-Gedenktag

Fotos: Servan Deniz (5), Lilo Joseph (4) und Klaus Murawski (3)

Anlässlich des internationalen Holocaust-Gedenktages trafen sich am 27. Januar Mitglieder der VVN-BdA Reinickendorf, der LINKEN Reinickendorf, Sympathisanten und Frau Thieme-Duske von der AG Stolpersteine Reinickendorf vor dem Haus Falkenthaler Steig 16 in Hermsdorf. Dort erinnern eine Gedenktafel und neun Stolpersteine an die aus dem "Judenhaus" verschleppten und später ermordeteten neun Personen.

An diesen Stolpersteinen, die zuvor von Yusuf,Robert und Dennis hervorragend geputzt worden waren, hielt die Sprecherin der VVN-BdA Reinickendorf Vera Seidel eine kurze Rede. Um 12 Uhr erinnerten wir uns in stillem Gedenken an alle Opfer dieser grausamen Zeit und legten anschließend Blumen nieder. Frau Thieme-Duske beendete die Veranstaltung mit Einzelheiten aus dem Leben dieser neun Opfer.

Um 16 Uhr nahmen Vertreter der LINKEN Reinickendorf an der Ehrung von BVV und Bezirksamt an der Gedenktafel im Rathaus Reinickendorf teil. (Pressemitteilung des BA)

Dokumentation der Rede von Vera Seidel

Liebe Kameraden der VVN-VdA, liebe Genossen der LINKEN, liebe Gäste,

wir haben uns heute hier versammelt, um des 70. Jahrestages der Befreiung des KZ Auschwitz durch die Rote Armee zu gedenken.
In der ganzen Welt wird in vielen, vielen sehr berührenden Veranstaltungen dieses historischen Ereignisses gedacht: Auschwitz ist zum Symbol der Massenvernichtung durch die Faschisten zwischen 1933 und 1945 geworden. Allein an diesem Ort wurden mehr als eine Million Menschen, meist Juden vernichtet.
Umso unverständlicher ist es, dass die polnische Regierung es abgelehnt hat, Wladimir Putin, den Präsidenten des Staates, von dem die militärische Befreiung dieses Vernichtungslagers ermöglicht wurde, nämlich Russlands in der Nachfolge der Sowjetunion, zu den offiziellen Gedenkfeierlichkeiten einzuladen.
Ulrich Schneider, Generalsekretär der FIR, betont in seinem Brief an den polnischen Botschafter in Berlin: „Die polnische Regierung mag ja politische Differenzen zur heutigen Politik Russlands haben, aber es ist eine Missachtung nicht nur der militärischen Befreiungsleistung der sowjetischen Streitkräfte, sondern aller Menschen, die sich in den Reihen der Anti-Hitler-Koalition für die Befreiung ihres jeweiligen Landes eingesetzt haben, wenn aus kurzsichtigem politischem Kalkül historische Wahrheiten geleugnet oder verfälscht werden.“
Und wer einmal am Tag der Befreiung das sowjetische Ehrenmal im Treptower Park besucht hat, weiß, wie sehr die Menschen, die alten aber auch die jungen, in Russland und den anderen Nachfolgestaaten dieser Befreiungsleistung mit den Millionen Opfern heute noch verbunden sind.
Der jetzige Premierminister der Ukraine entblödete sich nicht und sprach bei seinem jüngsten Berlin-Besuch unwidersprochen von Merkel von einer Invasion der Sowjetunion in der Ukraine und Deutschland…

In wenigen Augenblicken, werden wir, die hier anwesenden Antifaschisten, an der um 12 Uhr angesetzten Schweigeminute teilnehmen, zu der die Reinickendorfer Bezirksverordnetenversammlung die Bevölkerung dieses Bezirks einstimmig aufgerufen hat, um der Befreiung des KZ Auschwitz durch die Rote Armee zu gedenken.

Wir haben uns nicht zufällig an diesem Ort versammelt, denn im Falkentaler Steig 16, also in diesem Haus, befand sich 1942/1943 ein sogenanntes Judenhaus. In dieses Haus, das zuvor ein jüdisches Kinderheim und danach eine Synagoge war, mussten auf Anordnung der Nazi-Behörden Juden einziehen, damit ihre Wohnungen oder Häuser frei wurden für nationalsozialistisch genehme Volksdeutsche. Allein aus diesem Haus wurden nachweislich 13 Bewohner in die Vernichtungslager transportiert.

Eine Million Menschen, meist jüdische, wurden im KZ Auschwitz umgebracht - eine Million plus fünf, denn das Leben von fünf Menschen, für die hier Stolpersteine verlegt wurden, endete in Auschwitz.

Stellvertretend für die unvorstellbare Zahl der Opfer gedenken wir Ephraim Broh, seines Bruders Adolf, ihrer Frauen Rosa und Regina geb. Noah. Die Familie wurde im November 1942 zunächst nach Teresienstadt deportiert und dann im Mai 1944 in Auschwitz ermordet.Auch das Ehepaar Arndt wurde nach Teresienstadt deportiert, wo Isidor Arndt verstarb, seine Frau Ida wurde ebenfalls in Auschwitz ermordet. Auch Selma und Paul Latte aus diesem Haus wurden ermordet, ebenso wie Harry Gabriel-Redlich. Dank der Stolpersteine wissen wir etwas aus ihrem Leben, sie sind nicht mehr anonym wie so unzählige andere.

Ich bitte euch jetzt an der Schweigeminute teilzunehmen, besonders in diesen Tagen, an denen das Wort Bertold Brechts: „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch!“ aktueller denn je ist, wie die gegenwärtigen Ereignisse beweisen.

Wir werden noch gebraucht, unsere Kraft, um den Schwur von Buchenwald „Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!“ zu verwirklichen.


Übersicht der Jahrgänge

2020   2019    2017    2016   2015

2014   2013     2012

Weitere Jahre folgen. Derzeit funktioniert nur die Direktauswahl.