Diese Website verwendet Cookies.
Zum Hauptinhalt springen

Ehrungen zum Tag der Befreiung

Fotos: Lutz Dühr (12) und Klaus Gloede (4)

Traditionell trafen sich am Tag der Befreiung um 10 Uhr Mitglieder der LINKEN Reinickendorf und der VVN-BdA Reinickendorf auf dem Russischen Friedhof in der Wittestraße, um die hier begrabenen Sowjetsoldaten und Kinder sowjetischer Zwangsarbeiter zu ehren.

Im Anschluss gab es eine weitere Ehrung am Gedenkstein für zwei ermordete Antifaschisten am Falkenplatz in Konradshöhe. Dieser soll auf Anregung der Linksfraktion in der BVV restauriert werden, was aber leider bislang noch nicht geschehen ist. Für DIE LINKE Reinickendorf legte Marion Kheir, stv. Bezirlsvorsitzende und Bezirksverordnete, an den Gräbern und am Gedenksetin rote Nelken nieder.

Am Nachmittag nahmen Felix Lederle, Bezirks- und BVV-Fraktionsvorsitzender der LINKEN, und Marion Kheir an der Kranzniederlegung von BVV und Bezirksamt am Denkmal für die Opfer der NS-Diktatur und des zweiten Weltkrieges in der Straße Am Rathauspark teil. Diese war in diesem Jahr nicht so gut besucht wie in den letzten Jahren. Lag es am Wetter oder an der seitens des Bezirlsamts vergessenen Presseerklärung dazu? Schade, denn BVV-Vorsteher Lühmann hielt hier eine beeindruckende Rede.

Aus der Ansprache von Vera Seidel; Sprecherin des VVN-BdA Reinickendorf in Konradshöhe:

Liebe Kameraden, liebe Genossen von der LINKEN, liebe Gäste,

wir stehen hier an einem Gedenkstein, aus dem Jahr 1946 zu Ehren von zwei Widerstandskämpfern aus Reinickendorf: Richard Neumann und Albert Brust.

Er sieht recht ungepflegt aus, die Inschrift ist kaum noch zu lesen. …
Gleich von zwei Seiten wurde der Bezirk auf die Notwendigkeit der Wiederherstellung des Steines verwiesen. DIE LINKE brachte in der BVV einen Antrag hierzu ein, der einstimmig angenommen wurde. Und Oliver John aus Konradshöhe verlangte die Wiederherstellung, wie die „Dorfzeitung“ berichtete.
Und siehe da, die verantwortliche Stadträtin Schultze-Berndt (CDU) sicherte Abhilfe zu. Allerdings ist für die Arbeiten eine dauerhafte Mindesttemperatur von 7°C notwendig.

Soweit, so gut, die Reinickendorfer Gruppe der VVN aber verspricht gemäß unserem Motto „Erinnern und Mahnen“ sehr genau hinzusehen, dass der Stein tatsächlich wieder hergestellt wird, denn die hier geehrten beiden Widerstandskämpfer haben es wahrlich „verdient“.

Richard Neumann aus Konradshöhe wurde drei Tage nach der Befreiung durch die Rote Armee am 26. April 1945 von SS-Schergen erschossen, weil er im Wald versteckte polnische Zwangsarbeiter mit Lebensmitteln versorgt hatte.

Albert Brust aus Tegelort leitete als Maschinenschlosser bei Rheinmetall-Borsig die dortige Widerstandsgruppe und wurde am 26. September 1944 im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet.

Also beides Männer, die ihr Leben für unsere Zukunft ließen. Wir wollen sie am heutigen Jahrestag der Befreiung mit einem Gesteck ehren, …

Gedanken zum 8. Mai von Peter Neuhof von der Reinickendorfer VVN-BdA

8. Mai 1945 - Der braune Wahn war zu Ende. Er kostete 55 Millionen Menschenleben. Der 8. Mai ein Tag der Befreiung, der Tag der Befreiung. Die Menschen atmeten auf. Nicht alle, wie wir wissen. Hitler war weg, aber der Schoß blieb fruchtbar noch wie Brecht warnte. Menschen seid wachsam rief der tschechische Kommunist und Widerstandskämpfer, Julius Fucik als die Nazis ihn zum Schafott führten. Es dauerte lange, viel zu lange bis sich auch in der Bundesrepublik ein Bundespräsident dazu bekannte, dass der 8. Mai ein Tag der Befreiung war. Es war Weizsäcker. Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus. Der Schwur der Überlebenden von Buchenwald. Aber Geschichte verläuft nicht nach unseren Wünschen, unseren Hoffnungen. Braun färbte sich bei etlichen allzu schnell um, aber es schimmerte immer wieder durch. Und heute? Eine (Keine)Alternative für Deutschland. Populisten, Rechtsextremisten, besser Neonazis genannt. Wären sie nur eine Handvoll. Nein, sie sind nicht zu übersehen, nicht zu überhören. Sie agieren mit menschenverachtenden Parolen. Ausländerfeindliche Übergriffe gehören längst zum Alltag. Wieder ein “Gesundes Volksempfinden” , auf das sich die Altnazis beriefen? Stunde der Nachbraunen, Stunde von AFD, von Pegida oder wie auch immer sie heißen. Irregeführte Bürger oder doch schon in Wolle braun gefärbte Neonazis. Sachsen ist überall. Überall in Euro ist der Einfluss von völkisch - nationalistischen Gruppen und Parteien im wachsen. In den Niederlanden, von Frankreich erst gar nicht zu reden. Und denken wir an Erdogan, an Entwicklungen in Polen, in Ungarn. Wohin führt der Weg, wohin geht Europa? Und da tönt und agiert jenseits des Ozeans ein Präsident namens Trump. Wohin führt dessen Weg?

Geschichte wiederholt sich nicht, so sagt man. Können wir so sicher sein? Fragen und Bedenken. Aber auch Zeichen zivilen Widerstandes, wachsenden Widerstandes gegen die organisierte Rechte in aller Welt. Zu hoffen, dass die Stimmen der Vernunft stärker werden. Lasst uns alles dafür tun, dass sie noch stärker werden!