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Der neue Senat und die Kitas

Wir in Reinickendorf • 04/2002

Kritische Fragen im Roten Laden, S. Liebich und K. Rathmann am 23. März; Foto: Marion Lubina

Die Glaubwürdigkeit muss bezweifelt werden

Der Personalschlüssel der Horte in den Kitas (1:16) soll dem der Hortbereiche an den GanztagsGrundschulen (1:21) angepasst werden. Geplant sind Einsparungen in den städtischen Horten von 400, bei freien Trägern von ca. 185 Stellen bzw. 12,3 Mio. Euro.

Die Personalzuschläge für Leitungstätigkeiten sind neu zu bestimmen. Wie, ist noch unklar. Nach der Koalitionsvereinbarung zwischen SPD und PDS soll der Stellenanteil von derzeit 0,01 pro Kind noch unterschritten werden. Insgesamt sollen in den öffentlichen Kitas 356, bei den freien Trägern ca. 153 Stellen bzw. 12,3 Mio. Euro eingespart werden. Zusammengenommen sind es 756 in den städtischen Kitas, bei den freien Trägern ca. 400 zu streichende Stellen! Im Bereich der Tageseinrichtungen für Kinder würden demzufolge insgesamt 1.156 Stellen wegfallen.

Im Bildungsbereich soll nicht gekürzt werden?

Bei den freien Trägern werden die Einsparungen voraussichtlich zu Kündigungen führen, die Existenz von kleineren Einrichtungen wie Schülerläden und die Qualität der pädagogischen Arbeit würde gefährdet. Betroffen ist nicht nur der Hort-, sondern alle Bereiche der Kitas. Die drastische Kürzung der Stellenanteile für Leitungstätigkeit ginge zu Lasten der gesamten Einrichtung. Die Leitungsaufgaben werden nicht weniger. Die Leiterinnen haben nach wie vor dieselbe Arbeit zu bewältigen. Die geringere Personalausstattung der Kitas wird noch größere Kindergruppen zur Folge haben.

Wie ein schlechter Witz liest es sich in der Koalitionsvereinbarung: »Der Senat wird die Kitas als Bildungs- und Erziehungseinrichtung weiterentwickeln und die begonnene Qualitätsoffensive fortführen«. Qualitätsentwicklungsprozesse sind zeit- und arbeitsintensiv, auch für die Leitungskräfte. Die Kita als Bildungseinrichtung wird so nicht gefördert oder gestärkt. In der PISA-Studie wird gefordert, mehr in frühkindliche Bildung und Erziehung zu investieren.

Die Sprachförderung von Kindern nichtdeutscher Herkunft soll ein bildungspolitischer Schwerpunkt werden. Zweisprachige Angebote sollen erhalten und ausgebaut, Aus- und Fortbildungen für Erzieherinnen angeboten und mehrsprachiges Erzieherpersonal eingestellt und verbindliche Materialien allen Einrichtungen zur Verfügung gestellt werden.

Ich begrüße die verstärkte Sprachförderung von Kindern nichtdeutscher und deutscher Herkunft. Wie sollen diese Maßnahmen finanziert werden? Zum Nulltarif gibt es das alles nicht, weder Fortbildungen noch Personal. Ich habe Zweifel an der Ernsthaftigkeit dieses Vorhabens, wenn gleichzeitig in Berliner Kitas ca. 1.250 Erzieherstellen eingespart werden sollen. Die Einstellung von mehrsprachigen Erzieherinnen wäre ebenfalls zu begrüßen, wenn der erforderliche Einstellungskorridor geschaffen würde.

Renate Herranen