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Froschmäusekönig

Wir in Reinickendorf • 08/2002 • Wahlzeitung

Wahrscheinlich war es gar nicht Homer, dem ein Epos mit dem Namen “Der Froschmäusekrieg” zugeschrieben wird, vielmehr verfasste ihn wohl Pigres im 7. vorchristlichen Jahrhundert. Für die schon immer als besonders Tier liebend geltenden Deutschen übersetzte Georg Rollenhagen, der von 1542 bis 1609 gelebt hat, die Geschichte in unsere Heimatsprache, wohl mehr aus didaktischen Gründen - aus dem Verhalten der Tiere lässt sich schließlich vieles lernen.

Nun tobt die “Batrachomyomachie”, der “Froschmäusekrieg”, in Reinickendorf. Die Frösche sind dabei eindeutig in der Defensive. Die Mäuse, das Reinickendorfer Bezirksamt, gewinnen den Krieg durch Wegsehen. Ein offenbar belesener Reptilienfreund machte uns darauf aufmerksam. Der Mann, der nicht nur sämtliche Reptilienarten voneinander unterscheiden kann, sondern auch den Stil Homers von einem Epigonen, weiß von unerlaubten Baumfällungen am großen Tongrubenteich zu berichten. Der Herr sah seine geliebten Reptilien unter schweren Stämmen begraben wie weiland Odysseus seine Mannen unter den Felsen des Zyklopen und wandte sich Unterstützung suchend, an die PDS Reinickendorf.

Aus dem Pflegeamt des Bezirks war zu hören man wüsste von Baumfällungen auf einem Privatgrundstück, die weit über die genehmigten hinausgingen. Das Bezirksamt hat sie offenbar dennoch ruhig mitangesehen.

Inzwischen hat ein luftigerer Zyklop weit mehr Stämme gefällt, und geholzt wird an der Tongrube weiter, was dem Sturm zum Opfer fiel und was nicht. ... Eigentlich sollte man auch Stürme besser bewachen.

Doch nicht nur hier sah der Reptilienfreund seine geliebten Viecher in Gefahr, auch auf dem Grundstück zwischen Albtalweg und Klötzengrabensenke, einer Moorlandschaft en miniature, die Erinnerungen an Erzählungen Tureniews wach ruft. Hier soll der Wohnungsbaugesellschaft WIR, die schon in Klötzengrabensenke selbst bauen wollte, möglicherweise ein Ersatzgrundstück zugewiesen werden. Auf beiden Grundstücken wachsen Herbstzeitlose, und das Birken schimmernde Grundstück stellt ein Verbin- dungsgebiet zwischen zwei Feuchtbiotopen dar. Auch Frösche wollen und müssen schließlich ab und zu mal wandern ...

Warum aber die Wohnungsbaugesellschaft unbedingt in einem moorigen Gebiet ihre Pfeiler in den Grund rammen will, verstehen wir nicht; auch nicht, warum überhaupt noch gebaut werden muss, wo doch angeblich den zu zahlreichen Berliner Wohnungen nur noch mit der Abrissbirne beizukommen ist.

Simone Guski