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Vier Dachziegel zu je fünf Kilogramm

Wir in Reinickendorf • 08/2002 • Wahlzeitung

Die PDS fordert: Die Schließung des Flughafen Tegel muss jetzt angegangen werden

Am Sonntag, den 17. Juli 2002, war es mal wieder so weit: Wie in den letzten Jahren schon oft geschehen, saugte die Wirbelschleppe eines landenden Flugzeuges in der Hoka-Siedlung diese insgesamt 20 Kilo Ziegel aus ihrer Verklammerung. Dass niemand zu schaden kam, lag am Schneefanggitter, das den Sturz der Ziegel in die Tiefe verhinderte. In der Hoka-Siedlung lebt man gefährlich unter den landenden Maschinen!

Gefährlich lebt man aber auch auf der anderen Seite des Flughafen Tegel, neben den 7260 Tonnen (!) fassenden Tankbehältern der Fa. »Bundesmonopolverwaltung für Branntwein«. Diese sind mehr oder weniger vollständig gefüllt mit hochprozentigem (und damit hochexplosivem – die zuständige Senatsverwaltung spricht verniedlichend von »hochentzündlichem«) Rohalkohol (Äthanol). Im Jahr 2000 wurden insgesamt 13.500 m³ (!) Äthanol durch Kesselwagen und Tanklastzüge bewegt.

Überflogen werden diese Gebiete am Tag und in der Nacht. Obwohl in der Folge des 11. September 2001 die Starts und Landungen in Tegel zurück gingen, wurde die Zahl der Nachtflüge (zwischen 22 und 6 Uhr) noch ausgeweitet (siehe Kleine Anfrage 15/380 im Berliner Abgeordnetenhaus).

Obwohl der Flughafen Tegel keine Zukunft hat, wird er immer weiter »ertüchtigt«, z. B. mit besseren Nachtlandesystemen (siehe Kleine Anfrage 15/276) und mehr Abfertigungsschaltern. Der Flughafen Schönefeld fristet dagegen ein Aschenputtel-Dasein – angeblich, weil die Berliner ihn nicht annehmen. Immer wieder erscheinen Zeitungsartikel, die dem Leser suggerieren wollen, Schönefeld liege weit ab in der »Pampa«.

Die PDS Reinickendorf vertritt auch weiterhin die Meinung,

■ dass die baldige Schließung des Flughafen Tegel schon aus Sicherheitsgründen unerlässlich ist,

■ dass die künftige Nutzung der frei werdenden Flächen frühzeitig geplant werden muss, auch um rechtzeitig Arbeitsplätze zu schaffen, die durch die Schließung von Tegel verloren gehen,

■ dass eine diskriminierungsfreie Verteilung der Verkehrslasten zwischen den drei Berliner Flughäfen erfolgen muss, damit die Anwohner Tegels (ca. 390.000) nicht drei Viertel der Last erdulden müssen,

■ dass endlich das nach dem Fluglärmgesetz vorgeschriebene Nachtflugverbot zwischen 22 und 6 Uhr umgesetzt wird, die Senatsverwaltung für Verkehr den Anwohnerschutz ernst nimmt und sich nicht permanent hinter der Bundesregierung »versteckt«, die sich angeblich weigert, anwohnerfreundliche Betriebsgenehmigungen mitzutragen.

Langfristig muss der Kurzstrecken-Luftverkehr auf die Bahn verlagert werden. Die PDS Bundestagsfraktion hat dazu am 18.4.2002 den Antrag »Innerdeutschen Luftverkehr auf die Bahn verlagern« in den Bundestag eingebracht, der aber leider durch die anderen Parteien abgelehnt wurde.

Gerhard Maierhöfer