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Nein! Nein! Nein!

Wir in Reinickendorf • 10/2002

GLOSSIERT: Einen Sozi ehren wir nicht!!!

Am 25. Februar 2002 hatte die PDS-Verordnete Renate Herranen folgenden Antrag an die Bezirksverordnetenversammlung gerichtet:

Die BVV möge beschließen:

Das Bezirksamt wird ersucht, im Bezirk Reinickendorf, vorzugsweise im Ortsteil Hermsdorf, eine/n geeignete/n Straße oder Platz zu finden, um dem Sozialdemokraten, Gegner des Vietnam-Krieges und früheren Bausenator von Berlin Harry Ristock in der Öffentlichkeit ein ehrendes Andenken zu geben. Die Um- oder Neubenennung sollte zu dessen 75. Geburtstag am 20. Januar 2003 vorgenommen werden.

Als im Juni 2002 das Ersuchen der PDS im Kulturausschuss erörtert wurde, fühlte sich die SPD-Fraktion peinlich berührt, war fast sprachlos. Man hatte nur Ristocks Memoiren als Leseempfehlung für den politischen Gegner dabei und musste das Nein von CDU und FDP verdutzt hinnehmen.

CDU und FDP monierten vor allem - wie sie sich ausdrückten - Harry Ristocks „lächerliche Laubenpieperparties“. Dort wurde gewissermaßen Weltpolitik im Garten gemacht: Ostpolitik, Vietnam-Krieg, Baupolitik und Stadtentwicklung, Arbeitslosigkeit und vieles andere wurde debattiert - mit ihm, dem „König der Gespräche“. Einen solch durch und durch „Roten“ könnte man doch nicht in Hermsdorf ehren.

Auf Antrag der SPD wurde das Thema im September noch einmal im Kulturausschuss behandelt, aber CDU und FDP blieben in gleicher Weise ignorant. Auch der Vorschlag von SPD und Grünen, eine Konsensliste zu erstellen, in der Personen aufgenommen werden, die, unabhängig von parteipolitischen Erwägungen, in Reinickendorf ehrenwürdig sind, wurde abgelehnt. Dazu habe das Bezirksamt keine Zeit, das sei überflüssig. Man könne auch den Bürgern keine Straßenumbennungen zumuten.

Alles Vorwände. (Wollte nicht Bezirksverordneter Steffel noch vor kurzem gar die Berliner Straße in Tegel umtaufen?!)

Nein, einen außergewöhnlichen, anerkannten „Sozi“ in Reinickendorf zu ehren, geht einfach über ihr Demokratie- und Toleranzverständnis. Die Bereitschaft, auch nur im Ansatz zu verstehen, dass man über ideologische Gräben hinweg, wie Harry Ristock praktische Politik verstand, zusammen kommen kann, ist offenbar nicht Sache der selbsternannten Reinickendorf-Partei.

So wird sich eine Mehrheit in der BVV am 30.10. vermutlich selbst diskreditieren. Gegen Ignoranz ist immer noch kein Kraut gewachsen.

Und ob die SPD weiter kämpft für die Ehrung ihres Genossen,des Berliner Sozialdemokraten Harry Ristock? Man wird sehen.

Wir jedenfalls tun es!

Marion Lubina