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Am Rande

Wir in Reinickendorf • 12/2002

Hitler und Hindenburg

Setzen, Walter, fünf minus!

GLOSSIERT
Ex-Ehrenbürger verbeugt sich vor Noch-Ehrenbürger

Der Parlamentspräsident und Rei­nickendorfer SPD-Abgeordnete Wal­ter Momper sollte nun wahrlich nicht pisageschädigt sein! Wie der Autor dieser Zeilen, mehr als ein halbes Jahrhundert alt und Histori­ker, kann er sich mit den aktuellen Mängeln des bundesrepublikani­schen Schulsystems nicht entschul­digen, wenn er anlässlich der De­batte im Abgeordnetenhaus um den »Ehrenbürger« Paul von Hin­denburg sein mangelndes Lesever­ständnis zeigt!

Für Momper ist der »Held von Tannenberg« allein der »absolut le­galistische und demokratische« zweite Präsident der ersten deut­schen Demokratie in den Jahren seit 1925. Sein Sieg 1932 habe überdies verhindert, dass Hitler schon zu diesem Zeitpunkt Reichspräsident wurde. Bis dahin habe der »greise Feldmarschall«, laut Momper, noch nicht mit Notverordnungen zum Demokratieabbau beigetragen.

Da muss der Historiker Momper in den gängigen Geschichtsbü­chern so einiges überlesen haben. Der Reichskanzler Brüning regierte seit 1930 durch ein System von Not­verordnungen, die Hindenburg er­ließ. Im ersten Weltkrieg wandelte sich das Reich zur Militärdiktatur. Hindenburg gab dafür seinen Na­men her. Nach der, von ihm gefor­derten, Kapitulation log er die wah­ren Abläufe in die »Dolchstoßlegen­de« um.

Wahrlich eine große Leistung des Historikers Momper. Wir attes­tieren ihm eine Lese- und Rede­schwäche voll im Trend der PISA-­Studie. »Setzen, Walter, fünf mi­nus« (gerade noch)!

Robert Scholz