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Empfindsam zwischen Paragraphen

Wir in Reinickendorf • 12/2004

Vorgestellt: Karin Hopfmann, PDS-Abgeordnete, Sprecherin für Flüchtlingspolitik und Entwicklungszusammenarbeit

Zweimal im Jahr trifft sich in der behaglichen Wohnküche eine bunte Gesellschaft. Da zaubert ein Iraner persisches Essen, zwei Rheinländer staunen über einen Ukrainer, der mit schöner Stimme Lieder vom Rhein singt und die zwanzigjährige Patentochter Sarah der Gastgeberin gibt russische Volkslieder zum besten. Das sind Begegnungen, die das Herz wärmen. Karin Hopfmann gerät ins Schwärmen, wenn sie von diesen Treffen erzählt, die fröhlich und laut sind und oft bis in den Morgen gehen. Glücklicherweise hat sie verständnisvolle und tolerante Nachbarn.

Nach ihrem Philosophiestudium in Berlin und Leipzig wollte die junge Philosophin eigentlich an einer Fach- oder Hochschule unterrichten. Aber ein etwas engherziger Professor fand die selbstbewußte und kritische junge Frau nicht geeignet und verdarb ihr diese Karriere. Sie wurde als Geschäftsführerin des Kulturbundes verantwortlich für die Leipziger Karl-Marx-Universität.

Hier fand sie auch das Thema ihres Lebens. Sie betrieb kulturwissenschaftliche Studien im Bereich Entwicklungspolitik. Als sie 1987 nach Berlin kam, setzte sie als Lehrbeauftragte für interkulturelle Praxis an der Humboldt-Universität diese Studien mit großer Intensität fort und sammelte Material für eine Promotion, die die kulturellen Folgen der Stadt/Landmigration und Urbanisierung in Westafrika zum Thema haben sollte. Feldstudien waren zu der Zeit nicht möglich, deshalb führte sie ausführlichste Interviews mit Studenten aus dieser Region. Sie erfuhr nicht nur bewegende Lebensgeschichten, sondern lernte die Geschichte dieser Region und deren Probleme kennen.

Aber sie kam nicht dazu, ihre Doktorarbeit zu vollenden. Nach der Wende hätte sie bei Null anfangen müssen, denn alles, was sie bisher an Material zusammengetragen hatte, wurde nicht akzeptiert. So hat sie zwar keinen Doktortitel vor ihrem Namen, aber das erworbene Wissen befähigte sie für eine außerordentlich effektive Arbeit auf dem Gebiet.

1990 entstand auf ihre Anregung in Hohenschönhausen die Bürgerinitiative für ausländische Mitbürger/innen. Anlaß waren Übergriffe auf Gastarbeiter, versuchte Brandanschläge auf Ausländerheime und Aufmärsche von Neonazis. Ein Haus der Begegnungen ist zwar nicht entstanden, aber der Verein, der Beratungen und Sprachkurse anbot, fand großen Anklang. Er existiert noch heute und wird engagiert weitergeführt.

Karin Hopfmann wandte sich einem neuen Projekt zu und schuf mit AriC ein Antirassischtisch-Interkulturelles Informationszentrum, angeregt durch eine Einrichtung in Rotterdam. Zu den Tagen des interkulturellen Dialogs, die das Zentrum regelmäßig veranstaltet, fanden allein in diesem Jahr 25 Dialogtische statt und eine große Abschlussveranstaltung im Haus der Kulturen der Welt.

Seit 1995 ist Karin Hopfmann direkt gewählte Abgeordnete des Wahlkreises Alt Hohenschönhausen und in der PDS-Fraktion natürlich verantwortlich für Flüchtlingspolitik und Entwicklungszusammenarbeit. Sie hilft oft da, wo niemand mehr eine Lösung sieht, denn das ist ihre Auffassung von Politik: komplizierte Situationen zu meistern und Grenzen auszuschreiten im Interesse von Menschen in Notsituationen. Im Petitionsausschuß hat sie oft mit erschütternden Einzelfällen zu tun, im Ausschuß für innere Sicherheit und Ordnung versucht sie auf politischer Ebene Lösungen zu finden. Das kostet Kraft und Nerven. Beides hat sie.

Zur Zeit absolviert sie eine Ausbildung zur Mediatorin und Supervisorin. Und sie hat sogar noch Zeit, Gedichte zu schreiben. Zarte Gebilde einer empfindsamen Seele. Aber vielleicht rührt gerade daher die Kraft.

Elfriede Schroth

Ein bißchen „liberaler“?

Aus: Bannmeile, Beilage zu „Info-links“, PDS Lichtenberg, Nr. 9/ 2004

von Karin Hopfmann

Die Berliner Koalition von SPD und PDS hat dem Zuwanderungsgesetz im Bundesrat nicht zugestimmt, aber sie muss es umsetzen. Dazu gibt es eine Vereinbarung mit der SPD aus dem Jahr 2000. Einiges ist schon umgesetzt, z. B. Bargeld statt Gutscheine oder Chipkarten für Flüchtlinge (nicht in Reinickendorf - d. Red.) oder der Versuch, mit Brandenburg eine Vereinbarung zur Lockerung der sogenannten Residenzpflicht für Asylbewerber zu treffen. Ein Intergrationsbeirat wurde gegründet. In den letzten Monaten arbeiteten wir an einer Rechtsverordnung zur Umsetzung des §23a des Aufenthaltgesetzes.

Damit hat die zukünftige Kommission für Ausländerrechtliche Härtefälle eine Rechtsgrundlage und einen weitgehenden Handlungsspielraum für humanitäre Einzelfallentscheidungen. Natürlich lassen sich nicht hunderte von Fällen damit lösen. Besser wäre es, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Ausländerbehörde nutzten ihre Ermessensspielräume bei Entscheidungen über die Gewährung von Aufenthalt besser aus, wie es die Koalitionsvereinbarung vorsieht.

Doch von allein werden sich negative Einstellungen, die Resultat persönlicher Einstellungen und langjähriger politischer Vorgaben durch CDU-Innensenatoren sind, nicht zum Positiven wandeln. Deshalb haben wir lange an einem sehr konkreten Antrag zur Reform der Berliner Ausländerbehörde als bürgernahe Dienstleistungsverwaltung gearbeitet und eingebracht.