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Am Rande

Wir in Reinickendorf • 10/2005

Der Wolf ist los

In Ihrem Kiezblatt hat die CDU Reinickendorf-West sich dankenswerter Weise bemüht, das Phänomen PDS/WASG aufzuklären. Sie entschied sich für einen biologischen Ansatz, wogegen unterhalb eines bestimmten Niveaus auch nichts einzuwenden ist. Als Visualisierung wählte sie die Fotografie eines Wolfes und als Titel „Wolf im Schafspelz“. Das geht in Ordnung, weil PDS und WASG „für eine klare Kampfansage gegen eine sichere, werteorientierte und stabile Politik“ stehen, „wie sie die Union vertritt“, wo ja schon die Hinterfragung dieser Politik ein wolfsföttisches Vergehen wäre.

Nicht in Ordnung ist, dass auf dem Foto der Schafspelz fehlt. Aber vermutlich gehört das Abziehen von Schafs- und anderen Häuten zu den Werten, auf die die Union und ihre Betreiber sich orientieren, und es wäre ein Werteverstoß, wenn sie eine solche Haut wieder herausrückte, und sei es nur für ein Foto.

Spaß beiseite. Die Wahl ist gelaufen. Die einen wurden wegen Sozialpflichtvergessenheit aus der Regierung hinaus gewählt, die anderen wegen des gleichen Mangels nicht hinein. Wobei jeder ordentliche Volkswirt weiß, dass Sozialpflichtigkeit nicht christliches Erbarmen bedeutet, sondern unabdingbare Voraussetzung eines funktionierenden Binnenmarktes ist. Bei der heutigen CDU endet das Begreifen allerdings bei der Betriebswirtschaftslehre; Volkswirtschaftslehre ist zu hoch.

Zitieren wir also einfach nur Heinrich Heines berühmte Rede an die Wölfe:
„Ich bin kein Schaf, ich bin kein Hund
Kein Hofrat und kein Schellfisch -
Ich bin ein Wolf geblieben, mein Herz
Und meine Zähne sind wölfisch.
Ich bin ein Wolf und werde stets
Auch heulen mit den Wölfen -
Ja, zählt auf mich und helft euch selbst,
Dann wird auch Gott euch helfen."

Hans Schuster