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Umweltpolitik
Wir in Reinickendorf • 04/2007

Prima Klima statt Fluglärm

Auch Reinickendorf kann einen Beitrag leisten

Die jüngsten Berichte lassen keine Zweifel mehr zu. Der Klimawandel ist bereits eingetreten, die ersten Auswirkungen sind längst weltweit spürbar: Anstieg der globalen Durchschnittstemperaturen, veränderte Geothermik. Der Mensch als Hauptverursacher ist ausgemacht, das Verbrennen fossiler Brennstoffe verändert die Atmosphäre.

Der Planet kommt mit dem Klimawandel klar, die Zivilisation nicht ohne weiteres.
(Stefan Rahmstorf, Institut für Klimaforschung Potsdam)

Hauptleidtragende sind die Menschen in den Entwicklungsländern, die heute schon die Klimasünden der sogenannten westlichen Welt zu tragen haben. Noch setzen diese Staaten, allen voran die USA und die EU, bei der Bekämpfung des Klimawandels auf die Mechanismen des Marktes. Die fatalen Folgen werden offenbar „in Kauf genommen“

Die Linke sagt: Die jetzige Wirtschaftsordnung führt zwangsläufig zur Klimakatastrophe. Ohne eine Zähmung des Kapitalismus werden wir das Klima nicht retten können... Es gibt keinen Ökokapitalismus.
(Oskar Lafontaine)

Der nicht als links im Verdacht stehende britische Wissenschaftler Nicholas Stern hat vorgerechnet, dass unverzüglich eingeleiteter Klimaschutz die Weltwirtschaft weit billiger kommt als die nachholende Schadensbekämpfung.

Umdenken ist notwendig und findet vereinzelt auch statt. So gibt es Anzeichen in der EU-Politik, dass auch der Flugverkehr in den Emissionshandel eingezogen werden soll. Hier gibt es dringenden Handlungsbedarf, denn Fliegen ist die Fortbewegungsart, die die Atmosphäre am meisten schädigt - indirekt aber mit ca. 5 Milliarden Euro jährlich subventioniert wird. Als Umweltministerin fand Angela Merkel 1995, Fliegen hätte katastrophale Umweltfolgen und sei viel zu billig.

Eine schnelle Novellierung des Energieeinspargesetzes, die Ausweitung der Gebäudesanierung zur Senkung des Wärmebedarfs oder die Besteuerung des Flugverkehrs zur Reduzierung des Aufkommens sind richtige Maßnahmen, den Klimawandel zu verlangsamen.
(Katrin Lompscher, Berliner Umweltsenatorin)

Auch das Lobbyistentheater um die Schließungen der Flughäfen Tempelhof und Tegel behindert die eigentliche Aufgabenstellung. Die Nachnutzungskonzepte für beide Flughäfen sollten längst auf der politischen Agenda stehen. Beide Areale sind für das innerstädtische Klima von großer Bedeutung. Eine Bürgerinitiative in Tempelhof-Schöneberg hat sich inzwischen gegründet.

In einer Presseerklärung vom 14. März hofft auch die Reinickendorfer „Bürgerinitiative gegen das Luftkreuz“ auf einen rechtzeitig vom Senat initiierten internationalen Ideenwettbewerb für ein „sinnvolles Nachnutzungskonzept“ für Tegel. Die Linkspartei.PDS schlägt nochmals vor, die Reinickendorfer Bürger zeitnah und direkt einzubeziehen.

J. Schimrock

Das Märchen vom Atomstrom ohne CO2

In der aktuellen Klimaschutz-Diskussion meint auch die CDU, wieder ihre alte Forderung vom Ausstieg aus dem Atomausstieg anbringen zu müssen. Auch die Junge Union Reinickendorf äußert sich dazu und erzählte wieder einmal das Märchen vom CO2- freien Atomstrom. Wie es im Leben nun einmal ist, wird eine Behauptung auch durch ständige Wiederholung nicht wahrer.

Die JU meint zu wissen, der Strom käme nicht aus der Steckdose. Aber ebenso richtig ist, dass die Stromproduktion nicht im Kraftwerk beginnt, sondern mit der Gewinnung des Rohstoffes für die Stromgewinnung. Für den Abbau des Uranerzes und zur Anreicherung des spaltbaren Isotops benötigt man auch Energie. Durch die immer kleiner werdenden Uranvorkommen wird auch immer mehr Energie für deren Förderung benötigt. In einer Studie im Auftrag der Australischen Regierung wurde eine durchschnittliche Belastung des Atomstroms von 65g CO2 /kWh ermittelt. Diese Werte werden mit den sinkenden Uranvorkommen drastisch steigen.

Deutschland könnte mit seinem Ausstieg aus der Atomkraft ein wichtiges Vorbild sein. In Europa, aber auch in der Welt generell. Daher müssen wir die uns zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel dazu nutzen, die Forschung nach Energiealternativen zu fördern. Dies würde nebenbei auch Arbeitsplätze schaffen.

Robert Irmscher

Straßenbahn auf dem Wilhelmsruher Damm?

Fotomontage: Peter Boes

Nun ist es raus! Wenn demnächst die Friedrich-Engels-Straße in Rosenthal endlich ausgebaut wird, bleibt die Straßenbahn (M1) dort erhalten.

Ein von Senat und BVG in Auftrag gegebenes Gutachten ermittelte ein günstiges Kosten-Nutzen-Verhältnis für die bisherige Strecke. Der Umbau der erst vor ein paar Jahren für Niederflurbahnen ertüchtigten Strecke soll 6,8 Mio. Euro kosten. Auch eine Verlängerung der M1 bis zum U- und S-Bahnhof Wittenau würde sich „rechnen“, wäre aber für die Wirtschaftlichkeit der Sanierung in Rosenthal nicht notwendig.

Grüne und DIE LINKE aus Pankow und Reinickendorf fordern schon lange eine Verlängerung durchs Märkische Viertel. Jüngst beschäftigte sich der Verkehrsausschuß der Reinickendorfer BVV mit einem Antrag der Grünen, dass sich auch das Bezirksamt für die Verlängerung einsetzen möge. Da von der BVG kein Vertreter anwesend war, wurde der Antrag vertagt. Aber die Fronten zeichnen sich ab: SPD und FDP hätten lieber eine Verlängerung der UBahn, außerdem macht man sich Sorgen über die Busse, von denen dann weniger gebraucht würden - zu wenige?!

Von den sieben Buslinien des MV wären zwei ganz und zwei teilweise durch die Tram zu ersetzen. Von der verlängerten Straßenbahn würden alle profitieren, Pankower und Reinickendorfer. Die Verkehrspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus, Jutta Matuschek, befürwortet die Verlängerung und fordert vom Senat eine zügige Planung und Realisierung.

Lutz Dühr