Diese Website verwendet Cookies.
Zum Hauptinhalt springen

Gegenüber sieht man’s anders

Wir in Reinickendorf • 05/2007

Reisestreiflichter aus Australien

von Werner Doblies

Im September 2006 hatte ich noch in Reinickendorf zum Abgeordnetenhaus kandidiert. Meinen 621 Wählern herzlichen Dank. Anschließend trat ich eine sechsmonatige Reise nach Australien und Neuseeland an. Solch ein Abenteuer dürfte für nachfolgende Generationen zunehmend schwieriger werden, wenn die Politik des Sozialabbaus trotz wachsendem Bruttosozialprodukt fortgesetzt wird. Ich möchte einige Eindrücke von meinen Begegnungen wiedergeben.

Australien ist ja bekanntlich mit eigenen Truppen am Krieg gegen den Irak beteiligt. Fragte ich Australier nach ihrer Meinung dazu, hörte ich bis auf eine Ausnahme nur Verurteilungen oder einmal sogar „Euer Schröder hat gut entschieden.“ Auf meinen Einwand, dass er das vermutlich nur wegen der Wahlen gemacht hatte, hörte ich: „Egal, die Entscheidung war richtig.“ Solche Urteile hörte ich z.B. von einem ehemaligen Vietnam-Kämpfer, aber auch von einer Kirchenangestellten. Nur einmal traf ich einen Australier (aus Deutschland eingewandert), der den Irak-Krieg befürwortete. In Adelaide wohnte ich in einem Haus, in dem auch mehrere junge Iraker lebten, die schon unter der Herrschaft Saddam Husseins nach Australien geflohen waren. Sie waren Schiiten aus dem Süden des Iraks und verurteilten Saddam Hussein als „Hund und Sklave der Amerikaner“, weil er Anfang der 80er Jahre mit finanzieller und militärischer Unterstützung der USA den Iran überfallen hatte.

Verwunderlich ist, warum die Australier John Howard zum Regierungschef wählten, der die Kriegspolitik unterstützt, während in allen Bundesstaaten Australiens die zu ihm in Opposition stehende Labor Party regiert. Vielleicht ist eine Erklärung, dass Australien offenbar mit Duldung der USA keinen Import landwirtschaftlicher Produkte zulässt.

Rasen - bitte betreten

Australien hat etwa die Fläche Europas, doch nur 20 Millionen Einwohner, die sich vor allem an den Küsten konzentrieren. Obwohl es wie die USA nicht das Klima-Protokoll von Kyoto unterzeichnet hat, lernte ich in einigen Großstädten doch vorbildliche Verkehrsregelungen kennen. Parken war im Stadtzentrum sehr teuer, doch dafür konnte man dort kostenlos öffentliche Verkehrsmittel benutzen.

Als Tourist wusste ich auch zu schätzen, dass öffentliche Parks, also auch die Botanischen Gärten einschließlich der Rasenflächen (in Sydney wurde sogar dazu auf Hinweistafeln aufgefordert) frei zu betreten sind. Während in Berlin mittlerweile die Toiletten im neuen Hauptbahnhof nur gegen Zahlung von 80 Cent zu benutzen sind, ist dies in Australien und Neuseeland in der Regel kostenlos. Die öffentlichen Schwimmbäder sind meist kostenlos oder gegen eine sehr geringe Gebühr zu benutzen. Wie wird das alles finanziert? Die Mehrwertsteuer beträgt in Australien nur 10 Prozent, doch die Einkommensteuer ist sehr hoch, während sie bei uns für die Spitzenverdiener in den letzten Jahren von 55 Prozent auf 42 Prozent gesenkt wurde. Jetzt gibt es allerdings Überlegungen, diese Steuer zu senken, da der Staat zu viel Einnahmen hätte.