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Chance vertan

Wir in Reinickendorf • 10/2007

In Frohnau schlagen die Wellen hoch, gelegentlich - nach starkem Regen - wörtlich. Dann nämlich verwandelt sich der Edelhofdamm in einen Fluss und die anliegenden Grundstücke in Seen, tiefer liegende Garagen und Keller stehen unter Wasser. Unhaltbare Zustände also, und so ging das Reinickendorfer Bezirksamt daran, den Misstand zu beseitigen. Doch diese Zustände waren nicht immer so.

„Im Ortsteil Frohnau wurde bereits bei seiner Gründung um 1910 durch Lesser das heutige Prinzip der Regenwasserbewirtschaftung realisiert. Das gesamte Einzugsgebiet wurde seinerzeit im Kleinräumigen so gestaltet, dass für abgeschlossene Teileinzugsgebiete das Wasser über die Straßen­führungen jeweils den tiefsten Punkten im natürlichen Gefälle oberflächig zugeführt und dort versickert wird. Frohnau verfügt deshalb nur über ein Kanalsystem für die Ableitung des Schmutzwassers, eine Regenwasserkanalisation existiert nicht.“ (Regenwasserbewirtschaftungskonzept Edelhofdamm, Ingenieurgesellschaft Prof. Dr. Sieker mbH, Mai 2007)

Durch dichtere Bebauung und andere Bodenversiegelung durch Wege und Terassen ist das vorhandene Versickerungsbecken inzwischen zu klein, was zu den oben geschilderten Zuständen führt. Das Bezirksamt stellte also 2003 einen Bebauungsplan für ein zweites Becken auf. Nach Berliner Gesetzeslage sind dafür die Berliner Wasserbetriebe (BWB) zuständig. Und so kommt es, dass die BWB das neue Becken planen, jetzt bauen und später unterhalten. 60 Bäume in einem Gartendenkmal wurden gefällt, eine Regenwasserkanalisation für 1-1,5 Mio. Euro soll gebaut werden.

Doch regt sich genau dagegen Widerstand. Eine Bürgerinitiative „Regenwasserrückhaltebecken Edelhofdamm“ bildete sich. Ein paar der zur Fällung vorgesehenen Bäume konnten gerettet werden. Die BVV beschloss am 18.4.07 einstimmig, dem Bezirksamt zu empfehlen, sich bei den zuständigen Stellen ( Berliner Wasserbetriebe und Senatsverwaltungen für Stadtentwicklung und Umweltschutz) dafür „einzusetzen, dass die noch nicht vergebenen Baumaßnahmen für ein Regenwasserrückhaltebecken im Edelhofdamm in Frohnau umgehend gestoppt werden, damit neuen Alternativplanungen Raum gegeben werden kann." Das o.g. Gutachten wurde erarbeitet. Danach sind schonendere, nachhaltige und billigere Maßnahmen machbar.

Die BI wandte sich an alle Fraktionen des Berliner Abgeordnetenhaus. Am 25. September besuchte die Umweltpolitische Sprecherin der Linksfraktion Marion Platta Frohnau und ließ sich von Hans-Ernst Kreusler, Vertreter der BI „Regenwasserrückhaltebecken Edelhofdamm“, die Baustelle der Berliner Wasserbetriebe (BWB) und Beispiele für Alternativmaßnahmen der BI zeigen. Es bietet sich ein trauriger Anblick: 60 Bäume eines Gartenbaudenkmals sind gerodet, die Stümpfe werden gerade von Baggern ausgegraben, um Platz für ein neues Versickerungsbecken zu schaffen, welches die BWB im Auftrag des Reinickendorfer Bezirksamtes bauen.

Bei einem im August stattgefundenen Gespräch aller Beteiligten stellte die BI fest, dass die BWB an ihrem eigenen Planungskonzept festhalten und sich mit dem Alternativkonzept der BI nicht ernsthaft befassen wollen. Der BI wurde vorgehalten, dass ihr Vorschlag einer oberflächlich eingeleiteten Flächenversickerung „wasserrechtlich nicht genehmigungsfähig" sei. Das klang vorher noch ganz anders und wird in anderen Bundesländern auch durchaus umgesetzt.

Schade, hier scheint eine Chance auf nachhaltige Regenwasserwirtschaft vertan zu sein und wieder einmal wurden Reinickendorfer Bürger, die sich für ihr Umfeld engagieren, verprellt. Die BI prüft nun in Verbindung- mit dem BUND e.V. die Möglichkeit einer gerichtlichen einstweiligen Anordnung. Das wiederum können die von den Fluten betroffenen Anwohner nicht verstehen. Im Raum steht, dass dies erst die erste Ausbaustufe eines weit größeren Vorhabens ist. Vielleicht ist hier noch etwas zu retten, auch Marion Platta will da ein Auge drauf haben.

Lutz Dühr