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Am Rande

Wir in Reinickendorf • 05/2008

Wie Tempelhof doch noch gerettet werden kann

Der Redaktion von „WiR“ wurde gestern ein bisher geheimes Dossier der Jungen Union Reinickendorf zugespielt. Einige Aktivisten „der größten und aktivsten politischen Jugendorganisation im Bezirk“ halten es nach dem „überwältigenden Sieg beim jüngsten Volksentscheid“ offenbar für an der Zeit, mit „Wowereit und seinen sieben Zwergen“ Tacheles zu reden. Der „verlogene Wahlkampf“ von SPD und Linkspartei, der „besonders im Ostteil unserer Stadt gefruchtet“ habe, verlange einen harten Schnitt: Die Mauer muss wieder her! Mit der friedlichen Wende 1989 hätten wir Berliner den Ostberlinern den Weg zur Freiheit und Selbstbestimmung geöffnet. 18 Jahre danach fielen die Neu-Berliner immer noch auf „ideologische Luftblasen“ der SED-Nachfolger und Mauerschützen herein, die ihre „eigenen politischen Überzeugungen durchzusetzen“ versuchten. Diesen Politikstil gelte es „in den kommenden Monaten zu bekämpfen“.

Als ersten Schritt dazu will die JU mit einer Postkartenaktion “Wahlrecht für Ossis abschaffen!“ Unterschriften im Zonengrenzgebiet in Frohnau, Hermsdorf und Lübars sammeln. HARTZ-IV-Empfänger in Marzahn und Lichtenberg sollen verpflichtet werden, Qualifizierungskurse über die Befreiung Berlins 1945 durch die NATO und die Luftbrücke zu besuchen. Weiterhin wird überlegt, für Pankower Einreisevisa für Reinickendorf einzuführen. Udo Lindenberg wird aufgefordert, die unbelehrbaren und undankbaren Jünger von Alt-Stalinisten mit Verachtung zu strafen und seinen Sonderzug nach Tibet zu schicken. Die JU will außerdem künftig weder Glückskekse noch Rotkäppchensekt in Wilhelmsruh kaufen.

Denn wie Tims Oma schon wusste: „Wer nicht hören will, muss fühlen.“

F. Reineke