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Am Rande

Wir in Reinickendorf • 10/2008

Elite-Steffel

In schlimmer Zeit hat sich Dr. Frank Steffel (CDU-Chef von Reinickendorf) das Wort genommen („Unser Froh­nau“, September 2008). Er vermerkt sinkendes Vertrauen und mangelnde Verehrung gegenüber den deutschen Eliten. Aber diese Verehrung sei Gewähr, dass unsere gesamte Gesellschaft nicht den Bach hinunter gehe. Daran ändere auch nichts, dass einige Eliteleute Fehlleistungen vollbrächten.

Reden wir mal nicht von Eliten, sondern von Leuten, die in Wirtschaft und Politik das Sagen haben. Einzelne Fehlleistungen?

Es sieht eher nach einer geschlossenen Gesamtleistung aus. Die deutsche Wirtschaft boomte geraume Zeit, aber die deutschen Realeinkommen aus Arbeit sind in den Jahren zwischen 1996 und 2006 um sechs Prozent gesunken. Derweil aber sind die Einkommen aus Unternehmen und Vermögen um 42 Prozent gera­dezu explodiert. Deutschland hat von 1997 bis 2007 1,53 Millionen sozial­versiche­rungs­pflichtige Vollzeitstellen verloren und dafür 2,6 Millionen prekäre Jobs eingerichtet. Wo soll da Vertrauen herkommen?

Das ist eben die Globalisierung? In Frankreich, Großbritannien und Schweden wuchsen die Reallöhne um 10 bis 29 Prozent. Gibt es da etwa keine Globalisierung? Scheint fast, als gäbe es anderswo bessere, verantwortungsvollere Eliten.

Immerhin appellierte Herr Steffel an die „Leistungselite“, sich mehr als echte Demokraten und Vorbilder zu erweisen, denn: „Wenn die Demokraten versagen, bekommen die Demagogen ihre Chance“. Und er zieht auch eigene Konsequenzen. An anderer Stelle hat er jetzt versprochen, nicht mehr zur Kungelrunde der Berliner CDU-Kreisvorsitzenden zu gehen, die bisher - obwohl außerhalb der CDU-Satzung - dafür stand, dass niemand der Berliner CDU-Leistungselite ins Spiel pfuscht.

Höchstens noch telefonieren.

Jochen Eser