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„Europa findet lokal statt“

Wir in Reinickendorf • 5/2009

Vor der Europa-Wahl am 7. Juni sprach WiR mit der Europabeauftragten im Bezirksamt Reinickendorf, Frau Dr. Dagmar Klein

Frau Dr. Klein, Sie sind seit 2001 Europabeauftragte des Bezirksamtes. Wo sehen Sie Ihre wichtigsten Aufgaben und Schwerpunkte?

Reinickendorf war in Berlin einer der ersten Bezirke, der den Posten „Europabeauftragte“ besetzte.

„Europa in das Bezirksamt tragen“ - so lässt sich die Aufgabe aus administrativer Sicht sicher am besten beschreiben. Es geht aber auch oder eher darum, das politische Wirken des Europaparlaments lokal erfahrbar zu machen.

Ich verstehe mich als Mittlerin, bin für die Recherche europäischer Fördermöglichkeiten und die Umsetzung europäischer Strategien sowie die diesbezügliche Information und Beratung inner- und außerhalb des Bezirksamtes zuständig. Schwerpunkte meiner Tätigkeit sind u. a. die Koordination europabezogener Aktivitäten im Bezirk, die Projektplanung für den Einsatz europäischer Fördermittel, die Durchführung und Begleitung von Europaprojekten sowie die europapolitische Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

Eine Vielfalt an Projekten

Wie kann man im Bezirk „Europa“ im Alltag erleben bzw. anfassen?

Interessenten, die sich über Fördermittel der EU informieren wollen oder auch schon konkrete Vorstellungen haben, melden sich bei mir. Ich gebe dann, manchmal auch in Zusammenarbeit mit der Abteilung Wirtschaftsförderung, Hilfe bei der Antragstellung.

Häufig erfolgt der Zugang zu europäischen Fördermitteln über das Programm „Lokales Soziales Kapital (LSK)“. 2008 wurden in Reinickendorf sieben LSK-Projekte mit einem Volumen von 45 000 Euro gefördert, in 2009 sind es 15 Projekte mit rund 125 000 Euro Förderung. Der Themenkreis dieser Projekte ist bunt gefächert und reicht von der Enttabuisierung des Themas Demenz in der Bevölkerung bis zu Angeboten für junge Frauen zur Berufsorientierung im handwerklichen Betrieb.

Das Bezirksamt fördert auch grenzübergreifende Begegnungen. Wie nimmt die Jugend das auf?

Grenzübergreifende Begegnungen und Ausbildungen, z. B. in Richtung Polen, werden gerade in unserem Bezirk gefördert. Die Entwicklung der Sprachfähigkeit ist uns sehr wichtig, sie kann für eine berufliche Zukunft unabdingbar sein. Die Möglichkeiten werden zunehmend aufgegriffen im Rahmen der Projekte „Pro Polska“ und neu auch „Pro Türkiye“.

Jugendliche werden mit Europa „konfrontiert“. Die Aufmerksamkeit für andere Sitten und Gebräuche und zugleich für globale Probleme sind uns wesentlich. Wir haben auch speziell abgestimmte Info-Materialien für Kinder und Jugendliche.

Sind die Mitarbeiter des Bezirksamtes für das Thema sensibilisiert und wie funktioniert der inhaltliche Rücklauf aus dem Bezirk zur EU?

Die „Europafähigkeit“ der Verwaltung ist eine große Aufgabe. Noch wird Europa oft „nebenbei“ gemacht. Im Rahmen der „ConAct“- Projekte soll die Europakompetenz jedes Einzelnen gestärkt werden. Auch hier spielt die Sprachkompetenz eine zunehmende Rolle.

Politik auch von Unten nach Oben

Europa findet lokal statt und muss konkret vor Ort gestaltet werden. Die EU-Beauftragten der Berliner Bezirke gehen einmal jährlich auf Informationsfahrt nach Brüssel. Dort haben sie die Möglichkeit, neue Entwicklungen und Förderprogramme kennen zu lernen, aber auch unterschiedliche Probleme mit den Mitgliedern des Europäischen Parlaments zu diskutieren. Es erfolgt ein Informationsaustausch, hier werden auch Kritik, Anregungen und Vorschläge aufgenommen und, so ist jedenfalls gedacht, umgesetzt.

Wir wünschen weiterhin viel Erfolg und auch Spaß beim Gestalten eines Europa für die Menschen. Frau Dr.Klein, vielen Dank.

Das Gespräch führten Klaus Gloede und Jürgen Schimrock.