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Kultur trifft Politik

Wir in Reinickendorf • 11-12/2011

Vernissage im Roten Laden

Am Berliner Dom, Aquarell, 2011

Schon vor einiger Zeit sind mir und vielleicht auch anderen die schönen Aquarelle aufgefallen, die die Wände des Roten Ladens schmücken. Sie bringen im wahrsten Sinne des Wortes Farbe in den grauen Alltag.

Am 17. November nun waren die Aquarelle noch durch einige Lithographien ergänzt, und endlich konnte die Vernissage im Beisein der Künstlerin Sigrid Michel stattfinden. Eine Dia-Show ergänzte den Überblick über ihr Schaffen.

Zahlreiche Studien-und Jugendfreundinnen Sigrid Michels waren gekommen, obwohl die meisten von ihnen weite Wege bis nach Reini­cken­­dorf zurücklegen mussten. Die Veranstaltung hätte mehr Interesse seitens der LINKEN und anderer Interessierter verdient.

Schade, denn an diesem Tag traf Kultur auf Politik, und es war sehr interessant, was Sigrid Michel aus dem Nähkästchen plauderte, z. B. über die Entstehungsgeschichte einzelner Bilder. Auch verstand es die Künstlerin, in einfachen Worten die Technik der Lithographie zu erklären.

Bei einem Gläschen Sekt plauderte man zwanglos miteinander und erfuhr so einiges über das Leben der anderen.

Elfriede Brüning zu Gast

Foto: Lilo Joseph

Im Mittelpunkt des Zusammentreffens stand die Schriftstellerin Elfriede Brüning,von der ich leider bis dato noch nichts gehört hatte. Sie ist in diesem Jahr 101 Jahre alt geworden und war bis vor kurzem noch schriftstellerisch tätig.

Die Ortsgruppe der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten hatte alles gut organisiert, und auch für das leibliche Wohl war reichlich gesorgt.

Man sieht Elfriede Brüning, dieser adretten kleinen Dame, ihr Alter nicht an, abgesehen davon, dass ihr das Gehen Mühe bereitet.

Sie las aus ihrem Buch über Hans und Hilde Coppi „...damit Du weiterlebst“. Stolpersteine für die beiden ermordeten Reinickendorfer Antifaschisten waren im August an der Seidelstraße verlegt worden.

Wir sahen einen zu ihrem 100.Geburtstag gedrehten Film. Daraus ging hervor, dass sie seit ihrem 15. Lebensjahr immer geschrieben hatte, zuerst als Journalistin. Später kam sie dann zur Arbeiterliteratur, in deren Tradition sie bis heute verhaftet blieb.

Im Film kommen ihre Tochter, ihre Enkelin und ihr Urenkel zu Wort , so dass ein abgerundetes Bild ihres Lebens entsteht. Ihre Tochter erwähnte, dass sie die ersten Lebensjahre ohne ihre Mutter auskommen musste, da diese nur in ihrem Arbeitszimmer saß und schrieb. Eine gelungene Veranstaltung.

Marion Kheir