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Im Alter immer schöner

Wir in Reinickendorf • 05-06/2014

Das Märkische Viertel wird 50

"Liebeserklärung" eines 19jährigen an eine merkwürdige 50jährige

Das Märkische Viertel ist ein Betonwald. 13 Stockwerke ragen empor in den Himmel, durchzogen von grünen Streifen und Flächen. Ich kann mich noch an den Tag erinnern, als ich vor acht Jahren herzog. Damals eine kinderunfreundliche Gegend, in der es nichts zu erleben gab.

An Häuserwänden hingen Schilder, die das Ballspielen untersagten. Auf den Grünflächen -  kleine Schildchen, die den Hunden dort ihr Geschäft verboten. Dazu Spielplätze, die pünktlich zu den Ruhezeiten verschlossen wurden. Ein Viertel der Verbote.

Heute gehe ich durch die Straßen - die Schilder sind schon lange nicht mehr da. Die Hausfassaden werden von Baugerüsten verkleidet oder verlieren ihre Farbe. Im Zentrum ein Ring - der Senftenberger Ring, der einen wundervollen Park umschlingt. Inmitten dieses Parks ein wundervoller kleiner See, an dem man in einer neu hergerichteten Anlage Enten fütternde Rentner sieht.

Was wäre dieses „Merkwürdige Viertel“ ohne die, die es merkwürdig machen. Die Anwohner, die in den Hochhäusern leben, die gegen jedes Klischee einer anonymen Hochhaussiedlung sprechen. Hier grüßt man sich im Hausflur, hält einander die Türen auf und nimmt Rücksicht. Eine wundervolle Nachbarschaft, bei der man auch mal die Wohnungstüren auf einer Etage offen lassen, mit Tapeziertischen eine Tafel aufbauen konnte und jeder Bewohner der Etage etwas zu dem Fest auf dem Hausflur beitragen durfte.

Hier leben Menschen in Harmonie miteinander.

Nun blicken wir auf 50 Jahre Zusammenleben zurück. Obwohl ich erst das letzte Jahrzehnt hier erlebt habe, wohne ich hier gerne und blicke auf ein tolles Leben zurück.

Dennis Wendländer

Fotos: Yusuf Mirzanli