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Am Rande

Wir in Reinickendorf • 04-05/2015

Wer die Musik bezahlt, bestimmt, was gespielt wird.

Frankfurt/Main und Wolfsburg haben sie, in Thüringen und im Märkischen wird sie gelesen - eine ALLGEMEINE. Seit Ende Februar erleuchtet sie uns nun auch in Reinickendorf. Nicht nur so eine Zeitung, was sage ich, nein, ein Medium.

Reineke hat eine RAZ erwischt. Bei einer Auflage von 40.000 und kostenlos kein Problem. Er blättert, liest sich auch mal fest - und staunt: Super! Was es nicht alles gibt in unseren Gefilden!? Er erfährt manch Interessantes. Auch einiges über Füchse, aber nicht seine Duftnote.

Bedeutsames geschieht zu Hofe drüben am Oakspring Weir. Reineke hat sich bestimmt nicht verzählt: Unser nobler König wird auf den Seiten 4, 5, 8, 13, 17, 21, 22, 23, 24, 26, 42, 52 und 63 mit Bild und Wort bedacht. Es ist geradezu übermächtig, was Majestät so alles leisten müssen: gratulieren, Bänder durchschneiden, kicken, Hände schütteln, Schecks überreichen, einen Spaten heben, das Frühjahr putzen und dabei immer zitierfähige Worte von sich geben. Dabei kann er - wie seine Freunde – auch mal reinfallen: Ein Olympisches Dorf auf TXL- das hätte doch seinen Namen in die ganze Welt getragen. Reineke fühlt mit unserem Bezirksregenten mit. Erstaunlich, dass jener nicht auch noch die Sommermode bei Vitanas anprobieren, den Tee des Monats kosten, die Sonne einschalten, eine Dog Service Station einweihen, mit „Fidelen Rentnern“ feiern oder die Bienenhaltung preisen muss.

Ja, es gibt so viel Schönes ringsum. Tausende Tulpen und Narzissen schmücken die Boulevards, Schulhöfe und Wiesen. Harmonie allerorten. Da kann man doch einige Widerwärtigkeiten im Alltag und unbotmäßige Untertanen von Stonehill und anderswo glatt ignorieren.

Reinekes Ahnherr hat seinerzeit von einem Spiegel wundersam erzählt: Anstelle des Glases ein Beryll „von großer Klarheit und Schönheit“, in dem sich alles zeigte. „Und hatte jemand im Antlitz einen Fehler, wie er auch war, ein Fleckchen im Auge, durft er sich nur im Spiegel besehn, so gingen von Stund an alle Mängel hinweg und alle fremden Gebrechen“.

Das wär doch was für den nächsten Investitionsplan, findet Reineke. Füchse ihrerseits müssen nüchtern bleiben. Zwar erheben die RAZ-macher den Anspruch, ein „unabhängiges Medium“ herauszugeben. Sie wollen „mitnichten einer politischen Tendenz nachgehen“. Was er gesehen hat, bestärkt Reineken allerdings in seiner Lebenserfahrung: Wer die Musik bezahlt, bestimmt, was gespielt wird.

Reineke Fuchs