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Ein Blick auf Hannah Höch?

Wir in Reinickendorf • 07-08/2015

Neuer Gedenkort in Heiligensee eröffnet

Mit etwa 30 weiteren Beteiligten habe ich am Abend des letzten Juni-Donnerstags einen Blick in die ehemalige Hannah Höch-Remise „An der Schneise 33“ werfen können. Geladen wurde zur Eröffnung des Gedenkortes „Schau(ins)fenster Hannah Höch“. Endlich, betonte die Stadträtin, Frau Schultze-Berndt, einleitend, könne das Schaffen der Künstlerin am authentischen Ort gewürdigt werden. Und sie vergaß auch nicht, dem „Förderkreis für Bildung, Kultur und internationale Beziehungen Reinickendorf e.V.“ für seine freundliche Unterstützung zu danken.

Nur wenige Schritte von der Straße waren nötig und ich konnte den „Gedenkort für Hannah Höch“ betreten. Am neben der Tür gelegenen Fenster begrüßte mich ein freundliches Foto der Künstlerin und in dem kleinen, schlicht gehaltenen Gedenkort luden mich einige wenige Reproduktionen ihrer Werke zum Betrachten ein; verbunden mit dem Hinweis: Die Originale finde ich im örtlichen Museum in Hermsdorf. Die hintere Wand, durchbrochen von einem halben, dunkel-blankgeputzten Kachelofen - erkennbar nur vom dahinter liegenden Raum beheizbar - ist wohl eher unbeabsichtigt „zerschnitten“ = Dadaistisch?

Das Eröffnungsevent war in seiner dadaistisch dargebotenen Gestaltung sehr witzig und dem Gedenken an Hannah Höch angemessen, woran der Musikant Bardo Hennig und seine Begleiterin Barbara Huber besonderen Anteil hatten. Auch vom als Zeitzeugen geladenen Neffen Hannah Höchs, Rainer König, erfuhren wir Kurzweiliges. So, dass seine Tante eine sehr dominante, ihren Geschwistern wie auch ihm gegenüber, stets die Richtung vorgebende Person gewesen sei. Mehr vom Denken und Fühlen Hannah Hoechs vermittelte uns die sehr einfühlsam von der Autorin, Frau Claudia Bauer, zitierten Kalendereintragungen der Künstlerin. Erschrecken, Abwehr und tiefe Besorgnis spricht aus deren Notiz zum Kriegsbeginn am 1. September 1939. Dann, Jahre später, ihre große Freude über die Befreiung von der verhassten Nazi-Herrschaft, in der sie als diskreditierte „entartete Künstlerin“ nicht mehr ausstellen durfte und Verfolgung zu befürchten hatte. Endlich konnte sie ihre Werke wieder zeigen, und das nutzte sie. Ironisch vorgetragen und darob schmunzelnd vernahmen wir, welche bürokratischen Hürden Hannah Höch zu überwinden hatte, um die ihr von der sowjetischen Besatzungsmacht zuerkannte Lebensmittelkarte Eins zu erhalten.

Der Abend schloss sehr dadaistisch mit dem im Rhythmus einer Dampflokomotive vorgetragenen Text: „DaDa ist der Po, der Po, der Po, die Li, die Li, die Zei, die Zei, DaDa ist die Polizei!“

Trotz des würdigenden Events blieb eine Frage unbeantwortet: Warum nahm der im denkmalgeschützten Garten und Haus von Hannah Hoech lebende und arbeitende bildende Künstler Johannes Bauersachs nicht an dem heiteren Abend teil? Es wäre zu wünschen, dass sich künftig der Gedenkort und der Schaffensort zusammen erschließen lassen, zumal an kälteren Tagen der dadaistisch anmutende Kachelofen beheizbar wäre!

LiLo Joseph

Lilo Joseph
Lilo Joseph
Lilo Joseph
Lilo Joseph