Mit hohlen Köpfen nichts am Hut

Wir in Reinickendorf • 10/2000

Martin Krause, mit 17 jüngstes PDS-Mitglied in Reinickendorf / Was ihn ärgert, was ihn freut

Welcher Tag ist ein guter Tag?

Wenn ich mich austoben kann (Fußball), eine Stunde E-Gitarre übe, Zeit für Philosophie habe, Mathe ausfällt, genug Tabak da ist, für mich Neues über Schweden zu erfahren ist oder über Che.

Die bitterste Erfahrung?

Dass Leute mit 16 nichts weiter im Kopf haben als Markenklamotten, ihre Karriere, Techno-Feten und aus. Dazu kommt eine Intoleranz gegenüber allem, was links und fortschrittlich ist, da bleibt dir die Spucke weg. Als Schulsprecher hab ich ‘ne Menge einstecken müssen.

Die größte Hoffnung?

Vernunft. Ohne Ökologie wird die Zukunft trostlos. Ich werde keinen Führerschein haben. Den Transrapid hielt ich schon mit 14 für überflüssig. Güter auf die Schiene und Verursacher von Schäden zur Kasse – anders wird es nicht gehen.

Deine politische Heimat?

Ist die PDS. Sie ist die konsequenteste linke Kraft. Und pluralistisch. Und demokratisch. Ich male mir das nicht schön, hoffe ich. Dass die meisten PDS-Mitglieder am liebsten Volksmusik hören, hat mich schon geärgert. Viel kommt da zusammen: Ost und West, jung und alt, konservativ und radikal. Wichtig ist, wie es weiter geht. Vielleicht fahr ich doch nach Cottbus, zum Parteitag. Das Original erleben.

Was ärgert Dich zur Zeit?

Dass du mit dem Wochenend-Ticket nicht zur Expo nach Hannover darfst; dass du mit 14 zwar deinen Gott, nicht aber mit 16 Politiker wählen kannst; dass Kinder und Jugendliche kein Veto-Recht haben, wenn es gegen ihre Interessen geht; dass an den Schulen zu wenig gegen Rechts getan wird. In der 7. bis 9. Klasse muss es Seminare geben, die aufklären. Fünf Sozialstunden hab ich abgeleistet, weil uns die Polizei beim Übersprühen von Nazi-Plakaten erwischte. Das erste Mal vor Gericht, unvergesslich.

Die nächste Aktion?

Zur Erinnerung an Luthers Thesen (Reformationstag am 31. Oktober) eigene aufstellen. Thesen für eine soziale und gerechte Welt.