Düstere Zeiten für Unter-25-Jährige

Wir in Reinickendorf • 11/2005

LINKE: Ausbildung muss sein

Die Großkoalitionäre kündigen „"Heulen und Zähneklappern"“ über angeblich notwendige „"schmerzhafte Einschnitte"“ an, um Haushaltslöcher zu stopfen. Allerdings nicht für die 30 größten börsennotierten deutschen Konzerne, die ihre Profite 2004 auf 35,7 Mrd. Euro verdoppelten und 2005 Gewinne von mindestens 20 Prozent erwarten.

Die Rede ist auch nicht von der Wiedereinführung der Vermögenssteuer, von einer reformierten Erbschaftssteuer, einer nach Gewinn gestaffelten Körperschaftssteuer, von der Einführung einer Börsenumsatzsteuer, einer Erhöhung des Spitzensteuersatzes und der energischen Bekämpfung von Steuerhinterziehung, die die öffentlichen Kassen wieder füllen könnten. Nein, begleitet von Clements unsäglicher Missbrauchskampagne, soll Hartz- IV „"nachgebessert"“, sollen beim ALG II 1,85 Mrd. Euro „"gespart"“ werden. Denn: Hartz IV hat doppelt so viel gekostet wie geplant, aber nicht die erhoffte Halbierung der Erwerbslosenzahlen, stattdessen mehr Armut gebracht.

In Berlin lebt jede/r Siebte vom ALG II. Fast jedes dritte Kind lebt in einem Hartz-IV-Empfänger/innen- Haushalt. Da bildet Reinickendorf keine Ausnahme. Ende Oktober 2005 waren 18.710 Reinickendorfer, d. h. 16,2 Prozent, erwerbslos gemeldet. Wie gewohnt, geht Reinickendorfs Sozialstadtrat Balzer (CDU) mit acht Prüfern beim Aufspüren von „"Sozialleistungsmissbrauch"“ voran.

Rund 600.000 junge Menschen unter 25 Jahren sind in diesem Lande erwerbslos; fast ein Drittel von ihnen sind ohne Schul- und zwei Drittel ohne Berufsabschluss. „

"Sie sind am Start!"“ wirbt die Arbeitsagentur. "„Ihre Zukunft ist uns wichtig.“" "„Jedem Jugendlichen machen wir ein individuelles Angebot“", verkündete der Geschäftsführer des Reinickendorfer JobCenters im Wahlkampf. Der von der BVV erwirkte Bericht (Vorlage des Bezirksamtes zur Kenntnisnahme vom 7.9.2005, siehe „"WiR dokumentiert"“) spricht eine andere Sprache.

Tatsache ist: die Bundesregierung hat ihre Zusage, jedem Jugendlichen unter 25 eine Ausbildungsund Beschäftigungsmaßnahme anzubieten, nicht eingehalten. Nun sollen durch den „"Unterhaltsrückgriff"“ die Eltern junger ALG-II-Empfänger wieder zum Unterhalt ihrer erwachsenen Sprößlinge verpflichtet werden - auch wenn diese nicht mehr zu Hause wohnen.

Die Linke.PDS, die WASG, die Gewerkschaften meinen: Dieser Kurs darf nicht so hingenommen werden!

Klaus Gloede

WiR dokumentiert

1.716 erwerbslose Jugendliche in Reinickendorf ohne Berufsabschluss

Von zur Zeit insgesamt 2.003 erwerbslos gemeldeten Jugendlichen unter 25 Jahren haben 1.716 (noch) keine abgeschlossene Berufsausbildung (85,7 %). Von den Jugendlichen ohne Berufsabschluss haben etwa 670 (40 %) keinen Schulabschluss, wobei 470 (70 %) von ihnen bereits 20-25 Jahre alt sind.

Den Jugendlichen bieten sich im Wesentlichen folgende Wege an, den Schulabschluss nachzuholen: Im Rahmen von berufsvorbereitenden Maßnahmen stehen dem JobCenter ab September 60 Plätze zur Verfügung. Über das Instrument "„MAE plus" Lernen“ haben 150 Jugendliche die Möglichkeit, entweder einen Schulabschluss nachzuholen (24 Wo- Std.) oder eine sonstige berufliche Qualifizierung zu erhalten (16 Wo- Std.). Weitere 50 MAE-Plätze sind in Vorbereitung.

Schon jetzt zeichnet sich ab, dass die Plätze schwer zu besetzen sind. Von 470 zu Auswahlgespr ächen aufgeforderten Jugendlichen sind mehr als ein Drittel nicht erschienen. Von den getesteten Kandidaten sind nur 72 als geeignet einzustufen.

(Stand: 25.8.2005)