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Am Rande

Wir in Reinickendorf • 11/2006

Gottlose Komödie

Welcher Teufel hatte bloß den Kurt Beck geritten, diese Diskussion los zu treten? Die Bundesrepublik bekäme ein Unterschichten-Problem, weil etwa acht Prozent der Bevölkerung keine Hoffnung auf sozialen Aufstieg mehr hätten und in gesellschaftliche Lethargie verfallen seien, hatte der SPD-Vorsitzende gesagt. Acht Prozent, eine(r) von zwölf.

Mag sein, Becks inneres Auge hatte erschaut, dass unsichtbar über jedem Jobcenter-Eingang die Worte aus der Göttlichen Komödie stehen: „Lasst, die ihr eingeht, alle Hoffnung fahren“. Dort zieren diese Worte bekanntlich den Eingang zur Hölle.

Die Politiker der großen Parteien reagierten wie üblich. Zunächst wurde die Schuldfrage geklärt. Die CDU ist schuld, sie hat unter Kohl die große Umverteilung des Nationaleinkommens von unten nach oben in Gang gesetzt. Nein, die SPD ist schuld, sie hat dies gemeinsam mit den Grünen perfektioniert.

Dann griffen die ganz Oberen ein. Was heiße hier Unterschicht, grummelte der Vizekanzler, er kenne nur Menschen. Die Bundeskanzlerin warnte, mit solchen Diskriminierungen könne die Gesellschaft gespalten werden. Seither geht der Streit um die politisch korrekte Benennung. Prekariat? Lethargiat? Überflüssige? Ausgegrenzte – nein, das geht nicht, wer grenzt denn da aus? Niedergedrückte – das sind schon fast Untergedrückte. Randständige vielleicht, das klingt so naturbelassen.

Unterschichten darf man zwar erzeugen, aber nicht so nennen. Und das Dante-Wort, das passt nicht wirklich. Bei Dante ist die Hölle überproportional mit Reichen und Mächtigen besetzt.

Jochen Eser


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