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Am Rande

Wir in Reinickendorf • 9/2007

Geschichte selektiv

Lernen kann man aus der „Geschichte der Borsig-Werke“, die uns von K.-D. Dominick im CDU-Blättchen „Wir in Tegel“ vom Juli vermittelt wird. Sie beginnt mit der Eisengießerei (1837), dem Maschinenund Kesselbau und der Produktion von Dampfloks. Später kamen Werkzeugmaschinenbau und Werkstoffentwicklung hinzu. Nach Rückgang des Eisenbahngeschäfts, der Produktion von Landmaschinen und vorübergehender Schließung folgte die Fusion zu „Rheinmetall-Borsig“.

Nun erfährt man staunend, dass „während des Zweiten Weltkrieges über 17.000 Arbeiter beschäftigt“ wurden. Ganz schön viel. Aber diese enorme Arbeiterzahl produzierte Herrn Dominick zufolge... ja was denn? Nichts? Hat sich da der Fehlerteufel eingeschlichen, fehlte der Platz? War gar der Zensor im Spiel?

Einerlei - die Partei mit den großen „C“ im Namen hat aus der Geschichte offenbar nichts gelernt. Kriegsgewinnler dürfen, nein müssen beim Namen genannt werden. (Ver)Schweigt man noch immer (oder wieder) „verschämt“? Ist es der CDU peinlich, dass Rheinmetall- Borsig schon in den dreißiger Jahren Waffen und Munition produzierte, dass bis 1944 eigenentwickelte Waffensysteme bei der Wehrmacht eingeführt und sogar Raketenprojekte entwickelt wurden? Im Klartext: Von 1936 bis 1945 produzierte Borsig vorrangig Rüstungsgüter und beschäftigte während des Krieges auch Zwangsarbeiter! Aus diesem Grund wurden 90 Prozent der Produktionseinrichtungen zerstört und „die Reste“ fast vollständig demontiert. Soweit die notwendige Ergänzung historischer Fakten. Herr Dominick, wer die Geschichte verschweigt, wird für die Zukunft nichts lernen.

Jürgen Schimrock