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Am Rande

Wir in Reinickendorf • 10/2007

Bitte keine Krawalle im Norden

Die CDU beglückte unlängst die Bezirksverordnetenversammlung mit einer Großen - also ziemlich grundsätzlichen - Anfrage, für die man ihr nicht genug danken kann: Welche Ziele denn das Bezirksamt bei der Leseförderung verfolge? Nun kann man wirklich das Lob des Lesens nicht hoch genug singen und die Verführung zum Lesen nicht oft genug betreiben. Das weiß man längst: Lesen fördert unvergleichlich Einfühlung, Formgebung und Sinnfindung. Eine herrliche Steilvorlage also, um bei Schulen und Bibliotheken nachzufragen, wie es beim Nachwuchs um die Leseleidenschaft bestellt ist, wo sich Schwerpunkte befinden und was an Verführungen sich bewährt hat.

Die CDU wollte es noch viel grundsätzlicher. Frau Sollfrank, stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende, unterbreitete den Bezirksverordneten erst einmal die Mitteilung, dass fünf Prozent der Erwachsenenbevölkerung Analphabeten seien; auf die 55-köpfige BVV umgerechnet seien das schon drei Treffer. Dann nannte sie die Folgen: soziale Probleme, Anfälligkeit für Demagogie, Krawall­e.  

Ganz und gar grundsätzlich nach soviel Kanonendonner: Die CDU will eine fahrbare Bibliothek, die die Grundschulen im wohlhabenden Norden des Bezirkes bedient, also in den Orten, die immer sehr ordentlich CDU wählen. Die kostet mit Erstausstattung runde 200 000 Euro – richtig wählen muss sich doch lohnen. Und wo kämen wir denn hin, wenn auch im gutbürgerlichen Norden soziale Probleme, Demagogie und Krawalle einzögen?

Die drei Analphabeten in der BVV werden ganz nackt und bloß dastehen, wenn sie sich erfrechen, vielleicht andere Schwerpunkte bei der Leseförderung zu sehen.

Das walte die CDU.

Jochen Eser