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Schlechte Zeiten? Gute Zeiten?

Wir in Reinickendorf • 11/2007

Links wirkt, und das ist gut so.

Ein Donnerstag im Oktober vor dem JobCenter in der Miraustraße. Das Wetter ist trübe. Die Stimmung der Erwerbslosen, die aus dem JobCenter kommen, nicht weniger. Mitglieder der LINKEN verteilen  aktuelles Infomaterial und die neueste „WiR“. Helga P. nimmt nicht nur unser Blättchen; sie bittet auch um ein Eintrittsformular. Einige Tage später bei einer Tasse Kaffee im Roten Laden erfahren wir ihre Motive:

Helga ist erst seit kurzem in Berlin - „meinem Traum“, sagt sie. Vorausgegangen ist ein krasser Bruch in ihrer Biografie. Nach Jahren grundsolider, von den Menschen in einem Städtchen im Westfälischen geschätzter Arbeit scheitert sie mit ihrer Praxis. Nicht dass die Kunden ihre Dienste nicht mehr brauchten, nein: Wer den Cent und den Euro dreimal umdrehen muss, da alles teurer wird, verzichtet auf manches, das Lebensqualität ausmacht. Sie verkauft ihr Haus und ihre Altersvorsorge; so kann sie ihre Schulden bezahlen.

Die Mittfünfzigerin versucht nun - allein in einer fremden Stadt - wieder Fuß zu fassen. Irgend wovon muss sie leben, ihre Miete zahlen. Sie schreibt Bewerbungen, erlebt die Demütigungen durch Hartz IV: „Von Würde kann da keine Rede sein“. Ihre Erfahrungen in JobCentern sind unterschiedlich, in der Miraustraße findet sie Verständnis.

Manche verzweifeln, Helga bleibt optimistisch. Im Juni fährt sie zum Alternativ-G8-Gipfel nach Rostock, erlebt Oskar Lafontaine und andere. Was sie von den LINKEN erwartet?

„Vor allem Stehvermögen im Besetzen der linken sozialen Positionen. Es ist gut, dass es an der Parteispitze erfahrene Politiker gibt, die auch mal freundlich zubeißen können, wenn es drauf ankommt. Und die mir als enttäuschter Grüner (ich war 20 Jahre in der Partei der Grünen, wenn auch vor allem als Beitragszahlerin) die Hoffnung machen, dass die Themen soziale Gerechtigkeit und Verantwortung für den Planeten nicht so völlig dahin schwinden. Soziale Gerechtigkeit wäre für mich, dass endlich kontinuierlich die Ausgaben für Rüstung auf der ganzen Nordhalbkugel gesenkt werden und das Geld in Grundsicherung - verbunden mit Bildung Bildung Bildung und Heilung (auch gezwungenermaßen, wie der Schulbesuch auch!) - gesteckt wird. Dann würden SozialpädagogInnen und TherapeutInnen nicht Arbeitslosengeld II beziehen müssen.“

Helga P. will dazu beitragen, dass die Politik geändert wird. Als Mitglied bei den LINKEN kann sie das. Die LINKE ist für flächendeckende gesetzliche Mindestlöhne,  gegen Lohndumping, für eine Rente ab 65. Auch für den Rückzug der Bundeswehr aus Afghanistan. Sie spricht damit für die Mehrheit der Menschen in unserem Land. Links wirkt, und das ist gut so.

Friedrich Wilhelm

 

Der grundlegende Wert ist der der sozialen Gerechtigkeit, weil er im Grunde genommen die Gesellschaft überhaupt zusammenhält. Wenn eine Gesellschaft den Eindruck hat, es geht in der Gesellschaft nicht mehr gerecht zu, dann fällt sie auseinander. Insofern ist die soziale Gerechtigkeit der Grundwert jeder Demokratie.

Oskar Lafontaine


10 Prozent der oberen Haushalte in Deutschland (besitzen) 47 Prozent des Vermögens und 50 Prozent der unteren Haushalte 4 Prozent des Vermögens. Daran muss man etwas ändern, wenn man eine gerechtere Gesellschaft will.

Gregor Gysi,  25.10.2007


Weltlauf
Hat man viel, so wird man bald
Noch viel mehr dazu bekommen.
Wer nur wenig hat, dem wird
Auch das Wenige genommen...

Heinrich Heine