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Am Rande

Wir in Reinickendorf • 06/2008

Foulspiel

Europa sucht seinen Meister- auf dem Fußballfeld. Dort gibt es verbindliche Regeln, Fair Play und jeder kann den Titel gewinnen.

im realen Leben werden Menschen von Unternehmen beschattet, überwacht, bespitzelt und belauscht. Kriminelle Methoden zur Informationsbeschaffung werden offenbar - keine Einzelfälle. Behörden und Ämter bespitzeln, schüchtern ein, bestrafen. Observationsprotokolle werden gefertigt, Intimsphären bewusst verletzt.

Hier wissen die Spieler: Auf dem Spielfeld unserer Gesellschaft, im Spiel Oben gegen Unten, Arm gegen Reich, sind die sportlichen Voraussetzungen, die individuellen Fähigkeiten, die Ausstattung nicht gleich verteilt. Zwar stehen Menschen gegen Menschen, aber alle Spielregeln werden mit Füßen getreten, es wird Foul gespielt. Ein ungleiches Spiel, ungleiche Akteure mit ungleichen Chancen. Aber - wer nicht mitspielt, wird verwarnt, bekommt Zeitstrafen oder wird gar des Feldes verwiesen.

Die gesellschaftliche Spielkultur, wenn es denn so etwas gibt, steht zur Disposition. Dies befürchten selbst Veranstalter und Profiteure des „freien Spiels der Kräfte“. Die selbst ernannten Herren des Spiels wähnen sich in göttlichen Sphären, haben inzwischen ihre eigene Sicht auf den Gegner, ein eigenes Rechtsempfinden, ihre eigene Spielmoral.

Das Schiedsgericht, unsere Politiker, die gewählten Garanten des Fair Play, erstarren in Erfurcht, handeln nicht, zu spät oder gar falsch und pfeifen nicht ab, schützen die Spieler nicht mehr. Nicht gelbe, nein rote Karten würden Zeichen setzen, vielleicht wieder Vertrauen in das Regelwerk schaffen.

Sind allerdings die Regeln nicht mehr durchsetzbar, muss das Spiel unterbrochen, ggf. abgebrochen und ein neues Regelwerk erarbeitet werden. In diesem Sinne: Gutes Spiel.

Jürgen Schimrock

 

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