Berlin zur Sorgenden Stadt machen!
Interview von info links 01-26 mit Pilar Caballero
Pilar Caballero ist Mitglied im Landesvorstand der Linken Berlin, Sprecherin der Landesarbeitsgemeinschaft Feminismus und AGH-Kandidatin und Co-Bezirksvorsitzende der Linken Reinickendorf.
Pilar, was versteht man unter einer Sorgenden Stadt?
Sorgende Stadt ist, wenn man Nachbarschaft feministisch denkt. Wenn man das für viele Menschen schlecht organisierte Leben – das oft zu Individualisierung und Einsamkeit führt – besser gestaltet. Wenn wir die Stadt gerade auf die Menschen ausrichten, die pflegen, sorgen und den Haushalt schmeißen. Das sind meistens Frauen, das sind Migrant*innen, das sind FLINTA, die einen Großteil dieser Arbeit übernehmen.
Wir wollen Nachbarschaft auf die Bedürfnisse der Menschen, die darin leben, ausrichten. Den Zugang zu Lebensmitteln, nachbarschaftlicher Unterstützung, und die Bedingungen von ärztlicher Versorgung und Pflege verbessern.
Es geht auch darum, die Stadt von einer vereinzelnden Einöde hin zu einem kollektiv nutzbaren Raum umzugestalten. Damit Menschen wirklich eine Verbindung mit der Nachbarschaft aufbauen können – unabhängig vom eignen Geldbeutel.
Wie sieht das konkret aus? Wie können wir die Stadt feministischer gestalten? Wo holen wir den Raum denn her?
Konkret können wir in Berlin Sorge- und Nachbarschaftszentren schaffen, wie es sie in Barcelona oder in Mexiko-Stadt gibt. Jede Stadt und jede Nachbarschaft ist natürlich unterschiedlich, aber die Inspiration ist da. Natürlich gibt es auch Leerstand. Nicht nur Wohnraum, sondern auch leere Einkaufszentren, die wenig bis gar nicht genutzt sind. Oder Orte wie das Sport- und Erholungszentrum SEZ, das man wieder nutzbar machen sollte. Unser Plan für die Kiezkantinen zählt da auch rein. Wir als Berliner*innen brauchen nicht noch einen weiteren H&M, sondern Orte der Begegnung mit gegenseitiger Unterstützung. Am Ende gewinnen alle davon.
Wie kann Die Linke an der Umsetzung mitwirken?
Der Landesvorstand hat ein Aktionspapier mit zehn Maßnahmen verabschiedet. Daran wollen wir uns orientieren. Egal wo Die Linke nach der Wahl steht, diese Punkte wollen wir aktiv umsetzen: Wir machen Berlin nicht nur bezahlbar, sondern auch zur Sorgenden Stadt.
Das Gespräch führte Pascal Grel
