LOL 2.0
ab 18. Juni im Kino
Nach Pubertät, Schulzeit und erster Liebe beginnt irgendwann der sogenannte „Ernst des Lebens“. Und in Zeiten Sozialer Medien und KI wird es nicht gerade einfacher. All dem und noch mehr widmet sich diese sympathische französische Komödie.
Philipp Teubner sprach mit Regisseurin Lisa Azuelos und ihrer Hauptdarstellerin Thaïs Alessandrin.
2008 war LOL von Regisseurin Lisa Azuelos der große französische Kinohit. Die Geschichte um die 16-jährige Pariserin Lola und ihre Clique in der Schule, ihre alleinerziehende Mutter Anne (gespielt von Sophie Marceau), Sehnsüchte, Hoffnungen und Ängste rund ums Erwachsenwerden… Der Film wurde weltweit zum Kultfilm.
17 Jahre später, und wieder im Pariser Sommer, erzählt LOL 2.0 die Geschichte der kleineren Schwester Louise, die inzwischen 23-jährig mit ihren ganz eigenen Sorgen rund ums Erwachsensein und natürlich auch der Liebe zu kämpfen hat.
Lisa Azuelos:
„In Amerika gibt es ja eine riesige Tradition der Teenager-Komödien und Coming-of-Age-Filme. Aber in Frankreich hatten wir LA BOUM (1980) mit Sophie Marceau – und danach eigentlich keinen richtigen Teenagerfilm mehr. Oder es waren Filme über Jugendliche, die Drogen nehmen, keine Eltern haben und in sehr dramatischen sozialen Situationen leben.
Aber dieses ganz normale, klassische Leben, in dem es einfach schwer ist, Teenager zu sein – das gab es in Frankreich kaum. Deshalb wollte ich dieses Genre mit LOL 2008 erneuern.“
Louise hat ihre Liebe und ihr Startup verloren und kehrt nun unfreiwillig ins mütterliche Heim zurück. Mama Anne, 55, ist darüber allerdings gar nicht so glücklich, hatte sie doch gerade erst begonnen, ihre neue Freiheit zu genießen, nachdem ihre drei Kinder aus dem Haus waren. Auch sie sehnt sich nach einer neuen Liebe – während ihr Ex gerade eine deutlich jüngere Frau heiraten wird, im Job die neue Generation ihr das Leben schwer macht und sie sich außerdem darauf einstellen muss, dass Sohn Theo sie in den Großmutter-Status versetzt.
Wessen Geschichte ist LOL 2.0 eigentlich wirklich – die der Mutter oder die der Tochter?
Thaïs Alessandrin:
„Beider. Ich finde, das Interessante ist: Eigentlich erzählt der Film die gleiche Geschichte über beide. Es geht darum, was der nächste Schritt im Leben ist – und wie man akzeptiert, dass man einmal eine bestimmte Person war, diese Vorstellung von sich aber loslassen muss, um weiterzugehen.
Die Mutter muss akzeptieren, Großmutter zu werden. Und die Tochter muss ihren Platz in der Gesellschaft als Erwachsene einnehmen – und nicht länger als Teenagerin.“
Thaïs Alessandrin spielt nicht nur die Rolle der Louise, für die sie bereits im ersten Teil als Kind besetzt war. Sie ist zudem tatsächlich die Tochter der Regisseurin und schrieb mit ihr auch das Drehbuch für LOL 2.0.
Thaïs Alessandrin:
„Ich hatte wirklich das Gefühl, diese Figur noch einmal ganz neu zu erfinden. Als ich sie zum ersten Mal gespielt habe, war das meine erste Rolle. Ich war acht Jahre alt – also in gewisser Weise noch völlig unschuldig und sehr jung.
Und wenn man dieselbe Figur einmal als Achtjährige und dann als 25-Jährige spielt, liegt da ein ganzes Leben dazwischen.“
Sophie Marceau kehrt zu ihrer Rolle jung, attraktiv und abenteuerlustig zurück. Wie war die Arbeit mit ihr und was ist ihr Geheimnis?
Lisa Azuelos:
„Das ist mein vierter Film mit Sophie. Inzwischen verbindet uns eine tiefe Freundschaft und Vertrauen. Das ist für mich heute der große Luxus in der Arbeit mit Sophie: Dieser Teppich des Vertrauens, auf dem wir gehen, ist für uns wie ein fliegender Teppich, auf dem wir gemeinsam kreativ sein können.
Ich glaube, ihr Geheimnis ist, dass sie sehr authentisch ist. Und sie ist auch eine erstaunliche Komödiantin – in dem Sinne, dass sie Komik erfindet. Sie hat kleine Dinge gemacht, die ich erst im Schneideraum entdeckt habe. Sie ist also nicht nur umwerfend schön, professionell und all das – sie ist auch unglaublich einfallsreich.“
Thaïs Alessandrin:
„Zunächst einmal war es großartig, mit ihr zu spielen.
Und was an Sophie wirklich inspirierend ist: Sie hat sich auf gewisse Weise eine sehr jugendliche Seele bewahrt. Sie will nicht, dass das Licht nur auf sie fällt. Sie möchte Emotionen leben und sie mit anderen teilen.“
LOL 2.0 ist ja nicht einfach nur ein Unterhaltungsfilm, obwohl er sehr unterhaltend ist. Er erzählt uns auch glaubwürdig vom Leben, das trotz aller Vorsätze, Erwartungen, Wünsche und Absichten am Ende selbst die Regie übernimmt. Im Film wird es einmal so gesagt: Das Leben kommt zu uns...
Lisa Azuelos:
„Du bist wirklich der erste Journalist, der das anspricht. Für Thaïs und mich war das nämlich der wichtigste Satz des Films.
Wenn es eine Botschaft gibt, dann diese: Das Leben passiert! Man muss seinen Platz nicht suchen. Wenn man geboren wurde, dann bedeutet das schon, dass man einen Platz hat. Man muss das Leben nicht entscheiden – das Leben hat bereits entschieden, dass man hier ist. Es geht darum, das Leben willkommen zu heißen, statt ständig etwas daraus machen zu wollen.“
Thaïs Alessandrin:
„Ja, ich glaube, das war einer der Ausgangspunkte: Wenn man jung ist, hat man oft das Gefühl, man müsse tausend Leben gleichzeitig leben – und dass sich keines dieser Leben tatsächlich verwirklichen wird. Das war beim Schreiben ein sehr wichtiger Punkt zwischen meiner Mutter und mir: dem Leben zu vertrauen.“
Man erlebt unterschiedlichste Episoden und Momente aus dem Leben der jungen und älteren Protagonisten. Von romantisch, komisch über unangenehm und kritisch, ratlos bis verliebt…
Zudem ist der Film ständig in Bewegung: die Kamera, die Figuren, die Dialoge, die Übergänge. Wie wichtig war dieser Rhythmus für Sie?
Lisa Azuelos:
„Es ist sehr viel Arbeit. Danke, dass Sie das bemerken.
Das Ende war im Drehbuch noch nicht so stark miteinander verwoben. Der Grund ist vor allem: Wenn Studios ein Drehbuch lesen, können sie sich oft nicht vorstellen, wie schnell man mit Bildern erzählen kann. Deshalb muss ich ziemlich langweilige, lineare Drehbücher schreiben, damit die Leute meine Vision verstehen. Aber ich weiß, dass der Film später hundertmal schneller sein wird. Deshalb wollte ich meinem Editor auch eine Autoren-Nennung geben. Denn es ist sehr viel Arbeit, diese ganze Struktur noch einmal völlig neu zu denken.“
Ein wesentlicher Aspekt des Films ist, dass trotz aller Gegensätze und Schwierigkeiten das menschliche Leben bis heute nur funktioniert hat, weil es eben trotz aller Probleme dieses „Humanistische“ in sich trägt – Freundlichkeit, Empathie, Hilfsbereitschaft und Rücksichtnahme.
Lisa Azuelos:
„Vielleicht ist dieser Film eher eine Rückkehr ins Leben. Der erste Film war ein Coming-of-Age, ein Hinausgehen in die Welt. Dieser hier ist eher ein Hineingehen – ein Hineinwachsen in sich selbst. Es geht mehr nach innen als nach außen.“
Thaïs Alessandrin:
„Ja, dieser Film fühlt sich an wie eine Rückkehr zu wesentlichen Werten.
Ich glaube, als der erste LOL gedreht wurde, war das Leben in gewisser Weise einfacher. Die Menschen hatten nicht ständig dieses Spiegelbild von sich selbst vor Augen. Sie haben Dinge eher gelebt, um sie zu erleben.
Heute fühlt es sich so an, als hätten soziale Medien die Identität übernommen. Für unsere Generation scheint es notwendig geworden zu sein, genau zu wissen, wer man ist, damit man es der Welt zeigen kann. Und dieses Bild, das wir der Welt von uns zeigen, scheint dann mehr über uns auszusagen als das, was wir im Alltag tatsächlich leben.“
Die Leute im Film verlieben sich mit Social Media und der Hilfe von KI aber in einem Fall auch ganz praktisch durch die Begegnung mit einem Hund...
Wird Liebe und menschliche Nähe heute komplizierter oder verändern sich einfach nur die Werkzeuge?
Thaïs Alessandrin:
„Ich entscheide mich für den Hund!“
Lisa Azuelos:
„Ich auch. Der Grund, warum ich das geschrieben habe, ist: Ich wünsche mir unbedingt einen Hund. Aber ich reise zu viel. Deshalb würde ich sehr gerne einen Mann mit Hund finden – damit ich den Hund und den Mann genießen kann. Ich glaube also wirklich, dass der Hund ein sehr mächtiges Werkzeug ist – viel mächtiger als Tinder oder sonst etwas.“
LOL 2.0 startet am 18. Juni in den Kinos.










