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Ausstellung zu Entwicklung und Geschichte des Bergmann-Borsig Areals in Wilhelmsruh

Seit 2002 gehört Kerstin Schlopsnies zu einer Gruppe von Akteuren, die sich mit der nunmehr über 100-jährigen Geschichte des Areals der ehemaligen Bergmann-Electrizitätswerke, dem späteren "VEB Bergmann-Borsig" und heutigen Pankow-Park in Wilhelmsruh beschäftigt. Idee und Initiative, sich der wechselvollen Geschehnisse um das traditionsreiche Industriegelände im Berliner Norden anzunehmen und in Verbindung mit dem Jubiläum 2007 zu popularisieren, gehen auf den Freundeskreis der Chronik Pankow zurück. Der Verein initiierte am 4. März 2002 ein Treffen mit ehemaligen Mitarbeitern des Großbetriebes und bekam größte Zustimmung für seine Idee. Seitdem war Kerstin Schlopsnies bei jedweder Gelegenheit mit dem Fotoapparat auf dem Gelände und hat sich auch bis in die Tiefen der Bergmann-Familiengeschichte hinein gearbeitet. Grundlagen für die Bildtexte waren zudem unzählige Schriftstücke, die zusammengetragen und zahlreiche Gespräche, die mit Zeitzeugen geführt wurden.

Die Ausstellung wurde bereits an mehreren Orten in Pankow gezeigt, so im Brosehaus und in der "Roten Schule". 

Im Herbst 2010 zeigen wir diese Ausstellung im Roten Laden.

Im Folgenden dokumentieren wir die Ansprache von Frau Sieg-Björensen vom Freundeskreis der Chronik Pankow e.V. zur ersten Eröffnung dieser Ausstellung im Brosehaus.

Begrüßung

durch Frau Sieg-Björensen, Freundeskreis der Chronik Pankow e.V., Kulturring:

Liebe Gäste,

wir laden Sie ein, mit Hilfe der Bilder und Texte einen Spaziergang über das rund 300.000 m² große ABB-Gelände von heute zu unternehmen, das vielen von Ihnen gewiss noch als der ehemalige „Volkseigene Betrieb Bergmann-Borsig" in Erinnerung ist.

Das Industriegelände im Berliner Norden hat seine eigene, wechselvolle Geschichte, die nunmehr über 100 Jahre alt ist und ganze Bände füllen würde, wollte man sie im Detail aufschreiben.

Es gibt wohl nur wenige Einwohner des alten Berliner Bezirkes Pankow, die nicht in irgendeiner Weise mit dem Betrieb verbunden waren.

Tausende - vor allem Pankower - haben dort gearbeitet - schwer gearbeitet, viele von ihnen in Schichten, für mehr oder weniger Geld und unter wechselvollen Bedingungen.

Bis nach dem Krieg und bis zum Mauerbau waren auch noch viele Reinickendorfer und Weddinger dabei. Selbst aus dem Brandenburgischen kam man mit der Heidekrautbahn und war „Bergmann". Kinder und Kindeskinder folgten ihren Vätern und Großvätern und lernten in dem Betrieb. Spannende Familiengeschichten ließen sich darüber schreiben.

Zu DDR-Zeiten bevölkerten Schulklassen das Gelände zum „Unterrichtstag in der Produktion", Jugendweihen wurden im Kulturhaus gefeiert, Silvesterbälle und andere Feste fanden dort statt. Nach 1961 stand jedermann auf dem Gelände unter besonderer Beobachtung der Grenzwächter.

Dramatische Situationen gab es über die 100 Jahre genügend im Betrieb: Da wurden Kollegen in die Kriege geschickt und viele kamen nicht zurück. Da musste gestreikt werden, um das tägliche Brot zu sichern. Da tauchte im Dezember 1918 ein Karl Liebknecht auf und hielt eine Rede und als er nur gut einen Monat später erschossen war, erinnerte man sich - man hatte ihn im eigenen Werk erlebt.

Da waren plötzlich Menschen da, die andere Sprachen sprachen, streng bewacht wurden, aber nicht Mitmenschen sein durften. Wer neugierig auf sie war, ihnen vielleicht helfen wollte, riskierte das eigene Leben.

Der Betrieb wurde bombardiert, die Werkstatt, der Arbeitsplatz vernichtet - war nur noch Schrott. Man versuchte zu retten, aber was von Wert war, wurde von der Siegermacht demontiert.

Mit dem Neuanfang nach 1945 wurde etwas Neues, nicht Kapitalistisches versucht und schon 1953 als schwer zu Realisierendes deutlich. Um das Neue aber zu retten, wurde die Mauer um das halbe Deutschland und Bergmann­Borsig gebaut. Jetzt wird alles gut und zum Besten, hoffte man und sollte auch von allen geglaubt werden.

Trugschluss - 1989/1990 - alles wendet sich, musste sich wenden. Wer sich, seinem Tun und dem Betrieb gegenüber ehrlich war, wusste das. „Bergmänner" waren bei der Wende dabei.

Trotzdem: Ein Millionenschock, ein Beben, Bruch und Umbruch ungeahnten Ausmaßes für alle - nicht nur für die Betriebsangehörigen des „VEB Bergmann­Borsig".

Selbst beim besten Willen schaut man sich nicht mehr genutzte, marode Häuser heute nicht mehr schön, wenngleich die architektonischen Ideen ihrer Erbauer immer noch zu entdecken sind.

Umso mehr Freude macht der Blick auf die denkmalgerecht sanierten Gebäude. Sie sollten weiteren Unternehmen Mut machen, sich im PankowPark in Wilhelmsruh anzusiedeln. Immerhin führt heute eine Straße, die Heinz-Brandt­Straße, geradenwegs auf das Areal.

Wir wünschen, dass die Fotoschau Ihr Interesse findet, Ihnen gefällt und Stoff für viele anregende Gespräche bietet.

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