Barack Obama
Positionen
Ich bin zornig...
...über eine Politik, die die Reichen und Mächtigen ständig den Durchschnittsamerikanern vorzieht, und ich bestehe darauf, dass es eine wichtige Aufgabe des Staates ist, für allgemeine Chancengleichheit zu sorgen. Ich glaube an die Existenz der Evolution, an den Nutzen wissenschaftlicher Forschung und an die Existenz der Klimaerwärmung; ich glaube an die freie Rede, sei sie politisch korrekt oder inkorrekt, und ich werde misstrauisch, wenn der Staat irgendwelche religiösen Über-zeugungen (auch meine eigene) Nichtgläubigen aufzwingen will. Außerdem bin ich ein Gefangener meiner eigenen Biografie: Ich kann gar nicht anders, als die amerikanische Erfahrung mit den Augen eines schwarzen Mannes aus einer Mischehe zu sehen. Ich kann nicht vergessen, dass Generationen von Menschen, die aussahen wie ich, unterjocht und stigmatisiert wurden, und dass die Rassen- und Klassenzugehörigkeit auch heute noch unser Leben auf subtile und weniger subtile Weise beeinflusst.
aus: „The Audacity of Hope“, 2006, „Hoffnung wagen“, 2007
Renewing American Leadership
This century's threats are at least as dangerous as and in some ways more complex than those we have confronted in the past. They come from weapons that can kill on a mass scale and from global terrorists who respond to alienation or perceived injustice with murderous nihilism. They come from rogue states allied to terrorists and from rising powers that could challenge both America and the international foundation of liberal democracy. They come from weak states that cannot control their territory or provide for their people. And they come from a warming planet that will spur new diseases, spawn more devastating natural disasters, and catalyze deadly conflicts.
To recognize the number and complexity of these threats is not to give way to pessimism. Rather, it is a call to action. These threats demand a new vision of leadership in the twenty-first century -- a vision that draws from the past but is not bound by outdated thinking. The Bush administration responded to the unconventional attacks of 9/11 with conventional thinking of the past, largely viewing problems as state-based and principally amenable to military solutions. It was this tragically misguided view that led us into a war in Iraq that never should have been authorized and never should have been waged. In the wake of Iraq and Abu Ghraib, the world has lost trust in our purposes and our principles.
After thousands of lives lost and billions of dollars spent, many Americans may be tempted to turn inward and cede our leadership in world affairs. But this is a mistake we must not make. America cannot meet the threats of this century alone, and the world cannot meet them without America. We can neither retreat from the world nor try to bully it into submission. We must lead the world, by deed and by example.
Such leadership demands that we retrieve a fundamental insight of Roosevelt, Truman, and Kennedy - one that is truer now than ever before: the security and well-being of each and every American depend on the security and well-being of those who live beyond our borders. The mission of the United States is to provide global leadership grounded in the understanding that the world shares a common security and a common humanity. The American moment is not over, but it must be seized anew...
aus: Foreign Affairs , July/August 2007
Kernwaffen
“It’s time to send a clear message to the world: America seeks a world with no nuclear weapons. As long as nuclear weapons exist, we’ll retain a strong deterrent. But we’ll make the goal of eliminating all nuclear weapons a central element in our nuclear policy.”
West Lafayette, IN | July 16, 2008
Interviews
Obama-Berater James K. Galbraith, University of Texas
Kann Obama am Ende die Krise nutzen?
In gewisser Weise ja. Was wir im September gelernt haben: Die Krise hat die Regierung zum Handeln gezwungen. Krisen machen Handeln möglich. Und Obama hat dazu noch den Vorteil, dass er für die Krise nicht verantwortlich ist.
Wie würden Sie die Philosophie oder Ideologie beschreiben, die das Obama-Team wirtschaftspolitisch bestimmt?
Ich sage: Das sind Pragmatiker. Der Einfluss aus Chicago macht sich nicht an Milton Friedman oder George Stigler fest – sondern an John Dewey (Begründer der Schule des Pragmatismus, d. Red.). Dabei geht es darum, Probleme zu lösen. Die erste Frage ist deshalb: Wie sieht das Problem aus, das wir lösen müssen? Und dann: Haben wir dafür eine Programm? Und falls nicht: Wie können wir eines bekommen? Das war schon während der Wahlkampagne von Obama sichtbar. Man hat sich da nicht mit einer bestimmten Philosophie gemein gemacht. Es fehlten die üblichen Schlagworte: Das ist eine liberale Kampagne, eine sozialdemokratische oder eine progressive Kampagne. Nein, es war eine Problemlösungs-Kampagne. Und genau das hat Obama sehr viel Unterstützung aus den konservativen Reihen gebracht. Weil es so viel anders ist als das, was wir früher gesehen haben.
aus :Handelsblatt, 12.11.2008
Zbigniew Brzezinski
von 1977 bis 1981 Sicherheitsberater des damaligen US-Präsidenten Jimmy Carter.
Wird Obama Präsident einer Supermacht im Niedergang?
Blödsinn. Wir erleben das Ende einer dummen Supermacht. Unter Präsident Bush handelten wir arrogant, unilateral, und - am schlimmsten - seine Regierung kultivierte die Angst. Die Freiheitsstatue als Symbol Amerikas wurde durch Guantánamo ersetzt. Das Land verlor an Selbstvertrauen. Das gehört zu den schlimmsten Hinterlassenschaften der Ära Bush.
Was ist die größte außenpolitische Herausforderung für den neuen Präsidenten?
Afghanistan gehört dazu. Wir werden mehr Truppen stationieren müssen. Aber das ist nicht die Lösung. Die liegt in der Entmilitarisierung unseres Einsatzes. Man sollte auf lokaler und regionaler Ebene mit den verschiedenen Gruppen der Taliban verhandeln. Und wenn die beispielsweise al Kaida-Aktivitäten unterbinden würden, könnten wir uns aus begrenzten Gebieten zurückziehen.
Sie fordern den Abzug der Nato-Truppen.
Nein. Die Nato muss in der Zwischenzeit aktiv bleiben. Und wenn wir es wirklich ernst meinen mit der Allianz, dann müssen wir auch mit der Verteilung von Lasten ernst machen..
Sollte man auch die nuklearen Ambitionen des Iran entspannter betrachten?
Wir brauchen einen realistischeren, flexibleren Ansatz. Wir sollten verhandeln, vielleicht sogar ohne Vorbedingungen. Eine erfolgreiche Iranpolitik muss unsere Sicherheitsinteressen, aber auch die des Iran berücksichtigen.
aus: Stern, 47/2008
zum Weiterlesen
DIE LINKE. Newsletter 12.11.2008
Wieviel Wandel bringt Obama?
Die Wahl Barak Obamas hat weltweit viele Hoffnungen auf einen Wechsel der US-Politik geweckt. Gregor Gysi (Fraktionsvorsitzender Linksfraktion im Bundestag) würdigt den kulturellen Wandel , den die Wahl Obamas bedeutet, Tobias Pflüger (MdEP) beleuchtet kritisch die Berater-Riege des neuen US-Präsidenten und kommt zum Schluss, dass aus friedenspolitischer Sicht eher Anlass zu Besorgnis angebracht ist.
Neues Deutschland
21.11.2008
Streitfrage: Steht Barack Obama für eine bessere US-Politik?
Es debattieren: Andreas Zumach, Jahrgang 1954, freier Journalist am UNO-Sitz in Genf und Korrespondent der Berliner »tageszeitung« (taz) und Ingar Solty, Jahrgang 1979, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachbereich Politikwissenschaft an der York University in Toronto, Redakteur der Theoriezeitschrift »Das Argument« und Mitgründer des Think Tanks »North-Atlantic Left Dialogue«.
13.11.2008
»Die Parteibasis wäre mit ›Bush light‹ nicht zufrieden«
US-Politikwissenschaftler hält Druck auf Obama für notwendig
Nach dem Wahlsieg Barack Obamas hofft der linke Flügel der Demokraten auf einen Neuanfang. Der 52-jährige Autor und Politikwissenschaftler Stephen Zunes, einer der führenden Kritiker der US-Regierung, hält einen solchen Wandel aber für illusorisch. Mit dem Professor und Leiter der Nahostabteilung an der University of San Francisco sprach Max Böhnel.
12.11.2008
Obama bekommt Druck von beiden Seiten
US-Linke haben kaum Hoffnungen auf Ende des Neoliberalismus unter dem neuen Präsidenten
Von Oliver Händler
Auf einer Tagung in Berlin diskutierten linke Wissenschaftler aus Nordamerika, was man vom neuen US-Präsidenten Barack Obama erwarten kann. Auch wenn die Skepsis groß ist, dass es zu einem Wandel kommt, gibt es doch Anzeichen zur Hoffnung.
07.11.2008
Hoffnung auf »besseres Amerika«
Hoch geschraubte internationale Erwartungen nach der Wahl Obamas zum US-Präsidenten
Nach der Wahl von Barack Obama zum neuen US-Präsidenten verbindet sich das weltweite positive Echo mit den Hoffnungen auf eine neue Ära der US-amerikanischen Demokratie und der internationalen Beziehungen.
06.11.2008
Nach den US-Wahlen
Die internationale Lage wird sich verbessern
ND-Gespräch mit dem US-amerikanischen Politikwissenschaftler Prof. William M. Chandler
4.11.2008
US-Wahl
Wie »sozialistisch« ist Barack Obama?
ND-Gespräch mit Richard Wolff über die Chancen für eine neue Linke in den USA
Der Wirtschaftsprofessor Richard Wolff lehrt an der Universität von Massachusetts. Er ist Mitarbeiter der marxistischen US-Zeitschrift »Monthly Review« und Autor des Buches »New Departures in Marxian Theory« (Neue Ansätze der marxistischen Theorie). Mit ihm sprach für ND Harald Neuber.
