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Kiezspaziergang

zu LGBTIQ*-Feindlichkeit

Konrad Bauer

Am 15. November haben Register Reinickendorf und House of Queers einen Kiezspaziergang LGBTIQ*-Feindlichkeit in Reinickendorf veranstaltet. Am Startpunkt an der Lindauer Allee erklärte eine Person vom Register, welche queerfeindlichen Sticker in Reinickendorf regelmäßig gemeldet und welche Codes und Slogans von Rechten für queerfeindliche Propaganda verwendet werden. Wir Linke wissen, dass Queerfeindlichkeit ein intergraler Teil rechter Ideologien und von Parteien wie AfD, III. Weg oder Die Heimat und dass Queerfeindlichkeit bei "Nie wieder Faschismus!" immer mitgemeint ist.

Von der Lindauer Allee liefen wir zum Gelände der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik, wo eine Person vom Register von zwei transfeindlichen Vorfällen aus den letzten Monaten berichtete. Im ersten Fall ging es um eine verbale Attacke auf eine trans Person im Ersatzverkehr der U6. In diesem Fall ging es glimpflich aus, weil ein Mitmensch einschritt und mit dem Angreifer diskutierte, bis dieser einlenkte. Im anderen geschilderten Fall wurden zwei trans Personen in der U8 zunächst beleidigt und, nachdem sie am U-Bahnhof Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik ausgestiegen waren, verfolgt, geschlagen und schwer verletzt.

Einige der Teilnehmenden berichteten von ihren Erfahrungen mit Angriffen und es gab eine Diskussion über Zivilcourage und wie mensch am besten reagiert, wenn mensch selbst von queerfeindlichen Angriffen betroffen ist oder eine gefährliche Situation mitbekommt. Es wurde darauf hingewiesen, dass es wichtig ist Umstehende gezielt anzusprechen ("Sie mit dem roten Pullover, können Sie mir bitte helfen?"). Außerdem kann es helfen, wenn mensch sich mit dem potentiellen Opfer solidarisiert, bspw. indem mensch ein Gespräch mit der Person beginnt, um die Situation zu entschärfen.

Weiter ging es über die Oranienburger Straße und Rathauspromenade. Dort gab es einen Zwischenstopp bei dem Jugendliche und Teamer:innen das Projekt House of Queers vorstellten. House of Queers macht Jugendarbeit für LGBTQIA* Menschen in Reinickendorf und bietet einen sicheren Ort für queere junge Menschen von 12-27 Jahren, in dem sie sich frei entfalten können, gemeinsam kochen, Podcasts einspielen oder einfach "abhängen" können. Jugendliche erhalten zudem Unterstützung beim Coming Out und Hilfe bei Diskriminierung. Gleichzeitig ist House of Queers auch ein Ansprechpartner für Eltern, Geschwister oder Lehrer:innen, die mehr dazu erfahren möchten, wie sie ihre queeren Mitmenschen unterstützen können.

Der Abschluss des Spaziergangs war den viel zu vielen Todesopfern von Transfeindlichkeit gewidmet, im Vorgriff auf den Trans Day of Rememberance, der jedes Jahr am 20. November stattfindet. Am Rathaus Reinickendorf wurden kurze biografische Abrisse von zehn trans Personen verlesen, die 2024 aufgrund von Transphobie starben, stellvertretend für die mehr als 400 Opfer weltweit in diesem Jahr. Eine Person erzählte die Geschichte von Käte Rogalli, einer trans Frau, die nach langen Jahren der Ausgrenzung, Psychiatrisierung und Gewalt 1943 in Reinickendorf durch Selbstmord starb. Besonders berührend und bedrückend war, Ausschnitte aus ihrem - unter Zwang, im Gefängnis, aber in ihren eigenen Worten verfassten - Lebenslauf zu hören.

Deutlich wurde bei den Schilderungen und Abrissen, dass trans Menschen zu allen Zeiten und in allen Gesellschaften lebten, leben und leben werden. Bei allen gesellschaftlichen Fortschritten, etwa dem Inkrafttreten des Selbstbestimmungsgesetzes am 1.11.2024 in Deutschland, sind LGBTQIA* Menschen weiterhin überdurchschnittlich häufig von Gewalt und Ausgrenzung betroffen. Wir als Linke müssen uns weiterhin für queere Mitmenschen und ihre Belange stark machen. Daher bieten wir auch in der Partei Die Linke eine politische Heimat für queere Menschen und geben linken queeren Perspektiven Raum, sei es in der BAG Queer auf Bundesebene, der LAG Queer Berlin-Brandenburg auf Landesebene oder der FLINTA AG bei uns im Bezirk.

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