8. Mai: Zeichen setzen!
Wir in Reinickendorf • 5/2005
Anlässlich des Beschlusses der Reinickendorfer BVV, den 60. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus und der Beendigung des zweiten Weltkrieges in Europa im Bezirk würdig zu begehen, hat sich der Bezirksvorsitzende der PDS, Klaus Rathmann, mit einem offenen Brief an Bezirksbürgermeisterin Frau Wanjura gewandt.
„Ich würde es begrüßen und fände es dem besonderen Anlass dieses Jahrestages angemessen, wenn zur traditionellen Kranzniederlegung des Bezirksamtes und der BVV am 8. Mai Widerstandskämpfer und Verfolgte des Naziregimes unseres Bezirkes eingeladen und geehrt würden. Für das Bezirksamt und die BVV wäre es Gelegenheit, ebenfalls ein besonderes Zeichen in der Auseinandersetzung mit aktuellen Erscheinungen von Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus zu setzen, wenn sie im Rahmen der Kranzniederlegung die Tätigkeit des „Bündnisses für ein tolerantes und weltoffenes Reinickendorf“ sowie von ebenso engagierten Projekten und Initiativen unseres Bezirkes würdigten.
Im Bezirk Reinickendorf gibt es eine Reihe von Gedenktafeln zu Ehren von verfolgten und ermordeten antifaschistischen Widerstandskämpfern, Ehrengräber sowie Gräber von ehemaligen sowjetischen Zwangsarbeitern, an denen man im Alltag meist unachtsam vorüber geht. Die Bürgerinnen und Bürger vor Ort würden - durch die Bezirksbürgermeisterin aufmerksam gemacht - sicher Ihrem Aufruf gern folgen, anlässlich des bevorstehenden Jahrestages - wie schon für Oberst Wilhelm Staehle am 23. April in Frohnau - an weiteren Gedenktafeln und Gräbern Blumen niederzulegen.“
Berlin, 25. April 2005
Ehre ihrem Andenken
Zwischen 1933 und 1945, in der finstersten Zeit unserer Geschichte, wagten Reinickendorfer Gewerkschafter, Kommunisten, Sozialisten, Sozialdemokraten, Anhänger religiöser Gruppen, bürgerliche und militärische Oppositionelle aus Menschlichkeit und Gesinnungstreue im Widerstand gegen die faschistische Diktatur den Einsatz ihres Lebens. In den SA-Folterkammern, Zuchthäusern und Konzentrationslagern wurden misshandelt, erschlagen, in den Tod getrieben:
1942
- der Pädagoge Hermann Schulz aus Reinickendorf-Ost
- die Mitglieder der „Roten Kapelle“ Hans und Hilde Coppi aus Borsigwalde
1943
- die Dekorateurin Frida Wagenknecht aus Tegel
- Karl Neuhof aus Frohnau
- die kaufmännische Angestellte Ruth Österreich aus der „Weißen Stadt“
- der Schlosser Emil Nehring und weitere sechs Gewerkschafter aus den Teves-Werken in Wittenau
1944
- die Mitglieder der Widerstandsgruppe „Mannhart“ bei Rheinmetall-Borsig - die Bauarbeiter Otto Dressler aus Heiligensee und Friedrich Lüben aus Borsigwalde, der Schlosser Albert Brust und der Konditor Otto Haase aus Tegelort
- der Maschinenschlosser Walter Budeus aus Lübars und weitere elf Mitglieder der Uhrig-Gruppe
1945
- der Oberst Wilhelm Staehle aus Frohnau
- der Tischler Richard Neumann aus Konradshöhe
und viele andere.
(aus: H.-R. Sandvoß, Widerstand in Pankow und Reinickendorf, 1994)

